Donnerstag, 18. November 2010

Peak Oil liegt hinter uns

Jetzt ist es wohl offiziell - die Internationale Energieagentur (IEA) hat selbst zugegeben, dass die Förderung höchstens für einige Jahre stabil bleiben kann, bevor sie endgültig abrutscht. Kommentar von Craig Morris

Vor wenigen Jahren war Peak Oil ein Thema für Skeptiker und Außenseiter. Auch wenn einige wenige prominente Insider die Alarmglocken mit geläutet haben (z.B. Matthew Simmons, s. Peak oil: Steigende Preise, sinkende Förderung) , behaupteten BP, die IEA, und andere Industrieorganisationen immer brav und beruhigend, der Peak komme wohl erst in ein paar Jahrzehnten. Zum Beispiel meinte die IEA erst 2009, dass Peak Oil frühestens 2020 erreicht werde.

Am Dienstag schlug die IEA im World Energy Outlook 2010 jedoch überraschend einen neuen Ton an. Nun spricht die Organisation nicht nur offen von Peak Oil (die IEA nahm bisher den Begriff ungern in den Mund), sondern liefert gleich eine Grafik mit, die es in sich hat.

Man sieht deutlich, dass das Fördervolumen leicht gesunken ist; die Ökonomen würden wohl auf den gesunkenen Verbrauch während der Wirtschaftskrise verweisen. Die Grafik zeigt aber etwas Beunruhigendes: Die Förderung wird offenbar nicht mehr leicht über das Niveau von 2003-2007 steigen, sondern sogar bald steil absinken. Nur wenn "noch nicht entwickelte Felder" bereits jetzt die Arbeit aufnehmen, können wir grob das heutige, leicht abgesunkene Niveau stabil halten - und das nur bis etwa 2015. Dann müssen "noch nicht gefundene Felder" hinzukommen. Sonst haben wir circa eine Generation später vielleicht nur die Hälfte der heutigen Produktion.

Für die Energy Watch Group aus Berlin, die auch seit Jahren vor Peak Oil warnt, gehen klare Handlungsempfehlungen aus der IEA-Studie hervor: "Sogar eine Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien ist innerhalb weniger Jahrzehnte möglich und insgesamt kostengünstiger als der weitere Verbrauch von Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran."

Recht haben sie – allerdings lehnen sich manche Befürworter der erneuerbaren Energien zu weit aus dem Fenster, wenn sie (wie die EWG) andeuten, die Erneuerbaren könnten das Erdöl ersetzen. Richtig ist, dass alle erneuerbaren Strom erzeugen, keinen flüssigen Treibstoff, bis auf die Biomasse, und es darf bezweifelt werden, dass so viel Biotreibstoff nachhaltig produziert werden kann, wie wir jetzt Erdöl verbrauchen. Auch die Atomkraft stellt deswegen keinen Ersatz dar. Es gab einfach keinen Ersatz für Öl als Treibstoff.

Das heißt, dass wir bald mit weniger Heizöl auskommen müssen, aber das geht ja - besser isolierte Gebäude, passive Wärme, Pelletöfen u.ä., und schließlich zur Not Elektroheizungen. Wärme ist nicht das Problem. Aber die Elektromobilität wird anders aussehen als unsere heutigen Autos, die quasi eine unbegrenzte Reichweite haben und innerhalb weniger Minuten vollgetankt werden können. Eine Fahrt von Berlin aus an die Atlantikküste bei Bordeaux mit Zelt und Familie im Kombi wird zunehmend schwierig.

Noch schwieriger wird die Schifffahrt. Und fast unmöglich der Luftverkehr. Dort sind keine Alternativen zum flüssigen, fossilen Treibstoff in Sicht. Machen Sie sich also auf stark steigende Ölpreise zu Ihren Lebzeiten gefasst.

Quelle:
Craig Morris 2010
Petite Planète 2010
http://www.sonnenseite.com/

Freitag, 12. November 2010

Internationale Energieagentur bestätigt Warnung der Energy Watch Group

  • Höhepunkt „Peak Oil“ der konventionellen Erdölförderung in 2006 
  • IEA-Annahmen über die künftige Gesamtförderung unrealistisch
  • Schneller Ausbau der Erneuerbaren sichert Versorgung günstiger
Schon vor drei Jahren hatte die Energy Watch Group (EWG) den Höhepunkt der weltweiten Förderung konventionellen Erdöls auf das Jahr 2006 datiert. Die Internationale Energieagentur (IEA) stimmt dieser Feststellung in ihrem heute in Berlin vorgestellten „World Energy Outlook 2010“ erstmals ausdrücklich zu und erklärt, dass die Fördermenge konventionellen Erdöls nie wieder das Niveau von 2006 erreichen wird. In der Internationalen Energieagentur haben sich 28 OECD-Länder zusammengeschlossen, um die Regierungsinteressen der größten „westlichen“ Energieverbraucherländer zu vertreten.

Die Wissenschaftler der Energy Watch Group erläuterten schon im Jahr 2007 in einer umfassenden Studie, warum „nach dem Erreichen dieses Förderhöhepunkts sich die jährliche Fördermenge konventionellen Erdöls innerhalb von zwanzig Jahren bis 2030 mit hoher Wahrscheinlichkeit halbieren“ wird. Schon in den vergangenen Jahren hatte die IEA ihre Prognosen über die weltweite Erdölförderung jedes Jahr nach unten
korrigiert und nähert sich damit den Analysen der Energy Watch Group.

Im Gegensatz zur Energy Watch Group skizziert die IEA jedoch noch immer viel zu optimistische Erwartungen beim Ausbau der Förderung aus konventionellen und unkonventionellen Ölressourcen: „Führende Vertreter der IEA erklären regelmäßig, dass ‚mehrere neue „Saudi Arabien‘ erschlossen werden müssten, um allein die aktuelle Ölfördermenge zu halten. Dies wäre auch Voraussetzung für das aktuelle Szenario. Diese Ölfelder existieren aber nicht. Es lässt sich aber nur Erdöl fördern, das man finden kann“, erklärt Thomas Seltmann, Projektmanager der Energy Watch Group.

Darüber hinaus trifft die IEA noch immer unrealistische Annahmen über die möglichen Fördermengen aus sogenannte „unkonventionellen“ Ölquellen: Erdgaskondensate und Teersande – zwei Ersatzprodukte für herkömmliches Rohöl, die sehr aufwändig und umweltbelastend gefördert werden (Teersande) oder in viel geringerem Umfang verfügbar sind. „Mit der bekannten Erdölförderung an Land und im Meer ist deren Erschließung überhaupt nicht vergleichbar“, schränkt Seltmann ein. Dennoch suggeriert die IEA noch immer, die Erdölversorgung ließe sich dem Bedarf entsprechend weiter steigern.

Dem unbegründeten Optimismus beim Erdöl steht ein ebenso unbegründeter Pessimismus beim Ausbau erneuerbarer Energien gegenüber. So liegen die von der IEA skizzierten Ausbauraten unter den aktuellen Wachstumsraten der Erneuerbaren. Seltmann: „ Wir empfehlen den Regierungen dringend, den Ausbau erneuerbarer Energien ehrgeizig zu beschleunigen, um den absehbaren Verknappungen und Preissprüngen bei fossilen Energien zu begegnen. Ein schnellerer Ausbau erneuerbarer Energien ist insgesamt kostengünstiger als ein langsamer Ausbau. Sogar eine Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien ist innerhalb weniger Jahrzehnte möglich und insgesamt kostengünstiger als der weitere Verbrauch von Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran.“


Quelle: http://www.energywatchgroup.org/Mitteilungen.26.0.html