Donnerstag, 23. September 2010

Pellets bekommen europaweite Qualitätsnormen

Die europäische Pelletindustrie wird demnächst über einheitliche europäische Qualitätsnormen für ihre Produkte verfügen. Bis 2020 wird eine Verzehnfachung des Bedarfs in Europa erwartet.

Wie der Chef des Dachverbands "European Pellets Council", der Österreicher Christian Rakos, am Mittwoch sagte, steht das neue Zertifizierungssystem mit dem Namen "EN Plus" vor der Einführung. Es soll im nächsten Jahr in zahlreichen Ländern erhältlich sein und neben Qualitäts- auch Nachhaltigkeitskriterien ausweisen, etwa die Zertifizierung des Waldes und faire Handelsbedingungen.

Kohlekraftwerke mit Pellets befeuert
Rakos erwartet, dass sich der Pelletbedarf in Europa von derzeit geschätzten 10 Millionen Tonnen auf 100 Millionen Tonnen im Jahr 2020 erhöht. Derzeit steige vor allem die Nachfrage am Strommarkt, so würden Belgien, die Niederlande und Großbritannien Kohlekraftwerke mit Pellets befeuern. Mit der zu erwartenden Verteuerung von Öl werde aber auch der Wärmemarkt nachziehen, der für Österreich wichtiger ist, sagte Rakos.

Österreich in der Spitze
Mit einer Wachstumsrate von 30 Prozent liegt Österreich nach Angaben des nationalen Verbands "proPellets Austria" an der Spitze hinter Deutschland und Italien. Der Pellets-Verbrauch pro Kopf ist demnach in Österreich hinter Schweden der höchste. Auch bei Pelletkesseln habe Österreich weltweit Technologieführerschaft, 70 Prozent gehen nach Angaben von Rakos in den Export.

Kritik an träger Politik
Dennoch werde der Bereich Öko-Wärme von der Politik in Österreich und vielen anderen Ländern "stiefmütterlich" behandelt, kritisierte der Geschäftsführer von "proPellets Austria". Förderungen gebe es in Österreich dafür zur Zeit nur auf Länderebene, aus budgetären Gründen würden diese zurückgefahren, sagte Rakos. Der Marktanteil von Pellets-Heizungen stagniere in Österreich bei etwa 10 Prozent, dabei gebe es mit etwa 400.000 Ölheizungen, die älter als 15 Jahre sind, ein gigantisches Marktpotenzial. Generell fehle im Wirtschaftsministerium ein offensiver Zugang bei erneuerbarer Wärmeenergie, Probleme gebe es auch bei gewerblichen Genehmigungen, so Rakos.

Montag, 20. September 2010

Rohstoffknappheit

Bundeswehr-Studie warnt vor dramatischer Ölkrise

Märkte versagen, Demokratien wanken, Deutschland verliert global an Macht: In einer Studie hat ein Think Tank der Bundeswehr analysiert, wie die sinkende Ölförderung die Weltwirtschaft verändert. Das interne Dokument zeigt erstmals, wie sehr eine drohende Energiekrise die Militärs sorgt.

Hamburg - Unter Peak Oil verstehen Energieexperten jenen Zeitpunkt, zu dem der globale Ölvorrat allmählich zurückgeht und die Förderung ihren Zenit überschreitet. Eine dauerhafte Versorgungskrise droht - und allein die Angst davor kann Turbulenzen an Rohstoffmärkten und Börsen auslösen.

Das Thema ist politisch so brisant, dass es schon bemerkenswert ist, wenn eine Institution wie die Bundeswehr den Begriff Peak Oil öffentlich verwendet. Doch eine Bundeswehr-Studie, die in verschiedenen Blogs kursiert, geht noch viel weiter.

Das Dezernat Zukunftsanalyse - ein Think Tank, der zum Zentrum für Transformation der Bundeswehr gehört - hat erstmals die sicherheitspolitische Dimension des Peak-Oil-Problems analysiert. Die Autoren um Dezernatsleiter Thomas Will schildern die Folgen einer unumkehrbaren Rohstoffverknappung in teilweise dramatischen Worten. Sie warnen vor Verschiebungen des globalen Machtgleichgewichts, vor neuen "Abhängigkeitsverhältnissen", vor einem Bedeutungsverlust westlicher Industrienationen, vor einem "Komplettversagen der Märkte", vor schweren politischen und wirtschaftlichen Krisen.

Die Studie, deren Echtheit SPIEGEL ONLINE aus Regierungskreisen bestätigt wurde, war nicht zur Veröffentlichung gedacht. Es handle sich um einen Entwurf, heißt es. Um ein rein wissenschaftliches Gutachten, das noch nicht vom Verteidigungsministerium und von anderen Gremien der Regierung redigiert worden sei.
Studien-Hauptautor Will wollte sich zu den Ergebnissen auf Anfrage nicht äußern. Es darf aber bezweifelt werden, dass Bundeswehr oder Regierung den Bericht des Dezernats Zukunftsanalyse in seiner bestehenden Form zur Veröffentlichung freigegeben hätten. So zeigt die Studie doch, wie stark das Thema Peak Oil die deutsche Regierung schon jetzt beschäftigt.

Parallele zu Aktivitäten in Großbritannien
Der Vorfall weist eine Parallele zu einem Vorfall in Großbritannien auf. Erst in der vergangenen Woche hatte der "Guardian" darüber berichtet, dass das britische Department of Energy and Climate Change (DECC) Dokumente unter Verschluss halte, wonach sich Großbritanniens Regierung weit größere Sorgen über eine künftige Versorgungskrise macht, als sie zugeben will.

Demnach arbeiten das DECC, die Bank of England, das britische Verteidigungsministerium und Vertreter der Industrie an einem Krisenplan, der sich mit den Folgen möglicher Versorgungsengpässe beschäftigt. Anfragen des sogenannten Peak Oil Workshops an Energieexperten liegen SPIEGEL ONLINE vor. Eine DECC-Sprecherin bemühte sich, den Vorgang herunterzuspielen. Die Anfragen seien "Routine", sagte sie dem "Guardian"; sie hätten keine politischen Implikationen.

Auch die Studie der Bundeswehr dürfte keine unmittelbaren politischen Folgen haben. Sie zeigt aber, dass die Regierung befürchtet, dass Versorgungsengpässe rasch auftreten können.

So schreibt das Dezernat Zukunftsanalyse, es gebe "eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der Peak Oil bereits um das Jahr 2010 zu verorten ist und sicherheitspolitische Auswirkungen mit einer Verzögerung von 15 bis 30 Jahren erwartet werden können". Die Bundeswehrvorhersage deckt sich mit den Prognosen namhafter Wissenschaftler, die davon ausgehen, dass die weltweite Ölförderung ihren Zenit entweder schon überschritten hat oder im laufenden Jahr überschreitet.

Marktversagen und globale Kettenreaktion
Die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Peak Oil wurden für Deutschland nun erstmals umfassend untersucht. Der Erdölexperte Steffen Bukold hat die Ergebnisse der Bundeswehr-Studie ausgewertet und zusammengefasst. Die zentralen Erkenntnisse im Überblick:

Machtfaktor Öl: Wie das Dezernat Zukunftsanalyse schreibt, wird Öl zu einem entscheidenden Faktor in der Neugestaltung der internationalen Beziehungen. "Die relative Bedeutung der Förderländer im internationalen System wächst. Diese nutzen die entstandenen Vorteile, um ihre innen- und außenpolitischen Gestaltungsräume auszubauen und sich als neue oder wieder erstarkende regionale, gegebenenfalls sogar globale Führungsmächte zu etablieren."

Bedeutungsgewinn der Ölexporteure: Für Ölimporteure bedeute eine verstärkte Konkurrenz um Ressourcen gleichzeitig verstärkte Konkurrenz um die Gunst der Förderländer. Letzteren eröffne sich damit ein "Window of Opportunity", das sie zur Durchsetzung politischer, wirtschaftlicher oder ideologischer Ziele nutzen können. Da dieses Zeitfenster nur für einen begrenzten Zeitraum offenstehe, "könnte es zu einer offensiveren Durchsetzung eigener Interessen seitens der Förderländer kommen".

 Politik statt Markt: Das Dezernat Zukunftsanalyse erwartet als Folge eines Versorgungsengpasses, dass die Liberalisierung des Energiemarkts zurückgedreht wird. "Der Anteil des auf dem globalen, frei zugänglichen Ölmarkt gehandelten Erdöls wird zugunsten des über binationale Kontrakte gehandelten Öls abnehmen", heißt es in der Studie. Der globale Ölmarkt werde langfristig nur eingeschränkt den freien marktwirtschaftlichen Gesetzen folgen können. "Bilaterale, konditionierte Lieferbeziehungen und privilegierte Partnerschaften treten, wie bereits vor den Ölkrisen der siebziger Jahre, wieder in den Vordergrund."

Marktversagen: Die Autoren malen ein düsteres Bild von den Folgen einer Erdölknappheit. Da der Gütertransport vom Erdöl abhängt, drohe der Handel sich drastisch zu verteuern. In der Folge "können Engpässe bei der Versorgung mit existentiell wichtigen Gütern auftreten", etwa bei der Nahrungsmittelversorgung. Da Erdöl direkt oder indirekt zur Produktion von 95 Prozent aller Industriegüter benötigt wird, drohten Preisschocks in so gut wie allen Bereichen der Industrie und auf fast allen Stufen industrieller Wertschöpfungsketten. "Mittelfristig bricht das globale Wirtschaftssystem und jede marktwirtschaftlich organisierte Volkswirtschaft zusammen."

Rückfall in die Planwirtschaft: Da so gut wie alle Wirtschaftsbranchen stark vom Erdöl abhängen, könne der Peak Oil zu einem "Teil- oder Komplettversagen von Märkten führen", heißt es in der Studie. "Eine vorstellbare Alternative wäre, dass staatliche Rationierungen und die Zuteilung wichtiger Güter oder auch die Aufstellung von Produktionsplänen und andere Zwangsmaßnahmen kurzfristig marktwirtschaftliche Mechanismen in Krisenzeiten ersetzen."

Globale Kettenreaktion: "Eine Umstellung der Ölversorgung wird bis zum Eintritt des Peak Oil nicht in allen Weltregionen gleichermaßen möglich sein", heißt es in der Studie. "Es ist wahrscheinlich, dass eine hohe Anzahl von Staaten nicht in der Lage ist, die notwendigen Investitionen rechtzeitig und in ausreichender Höhe zu leisten." Käme es aber in einigen Regionen der Welt zum wirtschaftlichen Crash, wäre auch Deutschland betroffen. Die Bundesrepublik könne sich aufgrund ihrer engen Einbindung in weltwirtschaftliche Zusammenhänge nicht von der Krise anderer Staaten abkoppeln.

Politische Legitimationskrise: Das Dezernat Zukunftsanalyse sorgt sich außerdem um den Fortbestand der Demokratie. Teile der Bevölkerung könnten die vom Peak Oil angestoßenen Umwälzungen "als allgemeine Systemkrise" begreifen. Das schaffe "Raum für ideologische und extremistische Alternativen zu jeweils bestehenden Staatsformen". Eine Fragmentierung der betroffenen Bevölkerungsschichten sei wahrscheinlich und könne "im Extremfall zu offenen Konflikten führen".

Brisante Empfehlungen an die deutsche Regierung
Schon die Szenarien, die das Dezernat Zukunftsanalyse beschreibt, sind drastisch. Politisch noch wesentlich brisanter sind die Empfehlungen an die Regierung, die die Energieexperten aus ihren Szenarien ableiten. So vermuten sie, dass "ölimportabhängige Staaten in ihrer Außenpolitik zu mehr Pragmatismus gegenüber Ölanbietern" gezwungen sein dürften. Politik werde sich ein Stück weit dem Primat der Versorgungssicherheit unterordnen müssen.

Für Deutschland bedeute das konkret: eine nachgiebige Haltung gegenüber den außenpolitischen Zielen Russlands - und mehr Zurückhaltung in der Israel-Politik, um arabische Partner nicht zu verprellen.
Vor allem das Verhältnis zu Russland sei wesentlich für die Ausrichtung der deutschen Öl- und Gasversorgung, heißt es in der Studie. "Für Deutschland ist dies mit einem Balanceakt zwischen stabilen und privilegierten Beziehungen zu Russland und den Befindlichkeiten seiner östlichen Nachbarstaaten verbunden." Heißt: Um die eigene Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sollte Deutschland gegenüber den außenpolitischen Zielen Moskaus nachgiebig sein und im Gegenzug eine Belastung des Verhältnisses zu Polen und Co. zu riskieren.

Auch für die deutsche Nahost-Politik hätte der Peak Oil nach Ansicht der Studienautoren erhebliche Folgen. "Eine durch das Ziel der Versorgungssicherheit motivierte Neujustierung deutscher Nahost-Politik zugunsten intensiverer Beziehungen mit Förderländern, wie Iran und Saudi-Arabien mit den größten konventionellen Erdölreserven der Region, dürfte die deutsch-israelischen Beziehungen je nach Intensität des Politikwechsels entsprechend belasten."

Quelle: SPIEGEL ONLINE, von Stefan Schultz

Donnerstag, 16. September 2010

Ambitioniertes Förderprogramm in England setzt Maßstäbe

England könnte, wenn die bestehenden politischen Pläne umgesetzt werden, Maßstäbe für die Wärmeversorgung mit erneuerbarer Energie setzen. Wie am 10. Industrieforum Pellets in Stuttgart bekannt wurde, plant das Vereinigte Königreich eine Verzehnfachung des Einsatzes erneuerbarer Wärme bis zum Jahr 2020. Der Löwenanteil des Wachstums, so die Pläne soll bei Biomasseheizkesseln stattfinden. Zu diesem Zweck ist vorgesehen, eine Renewable Heating Incentive in Kraft zu setzen, die „Einspeisetarife“ für erneuerbare Wärme vorsieht. Dem Programm zufolge sollte Heizkesseln unter 45 kW eine Förderung von 11 cent/kWh erzeugter erneuerbarer Wärme garantiert werden. Für Heizkessel zwischen 45 und 500 kW sollte der Einspeisetarif 7,8 cent/kWh betragen. Mit dieser Maßnahme würde der Umstieg auf biogene Energieträger und andere Quellen erneuerbarer Energie wie z.B. Solarthermie äußerst attraktiv werden. Geht es nach den Plänen der englischen Regierung, sollte in England bis 2020 ein Markt von bis zu 9 Millionen Tonnen Pellets entstehen. Eine politische Entscheidung für die Umsetzung der Renewable Heat Incentive wird bereits für Ende Oktober 2010 erwartet. Finanziert werden soll das neue Förderinstrument durch eine Abgabe auf fossile Energieträger.

Montag, 13. September 2010

„In 20 Jahren droht uns eine Versorgungslücke beim Gas“

Über das Ende des fossilen Zeitalters wird viel diskutiert. Wann es kommt und vor allem was danach kommt, sind die Fragen, auf die es nicht nur eine Antwort gibt. Dass die Förderung von Erdöl ihr Limit erreicht hat, ist eine Tatsache. Aber wie sieht es mit anderen endlichen Ressourcen aus – zum Beispiel Erdgas? Die Energy Watch Group arbeitet derzeit an einer Studie zu dieser Frage. Der Projektmanager Thomas Seltmann gibt uns einen Ausblick auf die Ergebnisse und seine ganz persönliche Einschätzung zum Erdgas.


Herr Seltmann vom „Peak Oil“, also dem Förderhöhepunkt beim Erdöl, dürfte mittlerweile jeder schon einmal etwas gehört haben. Im Unterschied dazu wird die begrenzte Verfügbarkeit von Erdgas kaum thematisiert. Woran liegt das?
Es gilt das Gleiche wie beim Erdöl: Anbieter sprechen nicht gern über Knappheiten, weil die Kunden sonst noch schneller weglaufen, als sie es aus anderen Gründen ohnehin tun. Erdgas spielt in Deutschland zwar eine wichtige Rolle beim Heizen und auch in der Stromerzeugung, in den Medien steht es aber im Schatten des Erdöls und des politischen Konfliktes zwischen Atomenergie und Erneuerbaren.

Was genau untersuchen Sie in Ihrer Erdgasstudie und warum?
Es gibt bisher keinen umfassenden Überblick über die Verfügbarkeit und den wahrscheinlichen künftigen Förderverlauf von Erdgas und das auch noch unabhängig von einzelnen wirtschaftlichen und politischen Interessen. Wir als Energy Watch Group betrachten die globale Situation. Der Erdgas-Peak liefert entscheidende Hinweise auf Konfliktpotenziale in der internationalen Gemeinschaft.

Öl ist der Rohstoff , aus dem Umweltkatastrophen gemacht sind, wie das sprudelnde Bohrloch im Golf von Mexiko beweist. Welche Risiken hat Gas?
Erst seit Kurzem berichten die Medien darüber, dass bei der Gewinnung von Öl und Gas große Mengen radioaktiver Abfälle entstehen. Besonders bei den neueren Fördermethoden von Erdgas wird mit giftigen und krebserregenden Chemiekalien gearbeitet, die Grundwasser und Boden verseuchen.Erdgas besteht zudem hauptsächlich aus Methan, das vielfach klimawirksamer ist als CO². Wie viel Erdgas bei Förderung und Transport in die Atmosphäre entweicht, darüber gibt es keine genauen Angaben. Erdgas ist also alles andere als ein umweltfreundlicher und klimaschonender Enegieträger, wie es die Werbung der Energiewirtschaft suggeriert.

Woher kommt das Gas, mit dem wir heizen, kochen und duschen?
In Europa stammt momentan ungefähr die Hälfte des Gases aus eigener Förderung, ein großer Teil davon aus Norwegen. Die andere Hälfte wird importiert, maßgeblich aus Russland. Deutschland ist mit 35% des Gasverbrauchs von Russland abhängig. Die Europäische Gaswirtschaft prognostiziert einen um 25% steigenden Bedarf in den nächsten 20 Jahren. Noch ist nicht klar, woher diese Menge kommen wird. Die europäische Gasförderung geht zurück. Die Gaswirtschaft selbst spricht von einer Versorgungslücke von einem Drittel des Bedarfs. Auch technisch gesehen ist offen, woher das Gas in 20 Jahren kommen wird.

Mit welchen Gaspreisen müssen wir in Zukunft rechnen?
Für die Verbraucher gab es schon in den letzten Jahren erhebliche Preissteigerungen- nicht aufgrund einer Verknappung beim Erdgas, sondern wegen der Preiskopplung mit dem Öl. Man kann sagen, durch die Verknappung beim Erdöl sind die Preise indirekt auch beim Erdgas gestiegen. Dennoch ist die Preisbildung beim Gas völlig anders als beim Öl. Es gibt eine untere Grenze sozusagen die Kosten für Förderungen, Transport und das, was der Anbieter verdienen will. Der obere Richtwert ist der Ölpreis. Heizen mit Erdgas darf nicht viel teurer sein als mit Heizöl, sonst steigen die Leute von Gas auf Öl um. Langfristig baut sich von verschiedenen Seiten großes Potenzial für Preissteigerungen auf. Zum Beispiel dadurch, dass von den großen Förderstätten, wie am Kaspischen Meer, gerade Leitungen in alle Richtungen gebaut werden. Am Ende wird der Abnehmer das Gas bekommen, der den höchsten Preis bezahlt oder den besten politischen Zugriff hat. Das spielt auch längst schon eine Rolle bei millitärstrategischen Überlegungen.

Wie gut sind Erdgasfelder bisher erschlossen?
Bei jeder Erschließung von Ressourcen werden zuerst die Felder ausgewählt, die eine große Menge Erdgas enthalten und die leicht und kostengünstig erschließbar sind. Schon wenn etwa die Hälfte des Rohstoffs gefördert wurde, sind die meisten günstig erschließbaren Vorkommen verbraucht. Das heißt, je weiter die Förderung voranschreitet, umso teurer wird es. Das Dramatische beim Erdgas ist, dass ungefähr 60% des Erdgases, das man heute noch in den Tiefen vermutet, sich auf nur drei Länder konzentriert:Russland, Quatar und Iran, wobei die beiden letztgenannten auf dasselbe Gasfeld zugreifen. Hinzu kommt, dass die in Russland noch nicht erschlossenen Gasreserven sehr abgelegen sind, etwa im Meer oder unter Permafrostböden, auf denen man nicht so einfach Förderstationen und Pipelines errichten kann. Hier muss man erst noch technische Probleme lösen und umfangreiche Infrastrukturen schaffen. Deshalb importiert Russland im Moment selbst lieber Gas aus den Nachbarländern, was zunächst einfacher und billiger ist.

Wann ist das Gas zu Ende?
Die starke Konzentration der verbleibenden Reserven in Russland und dem Nahen Osten bedeutet eine starke Abhängigkeit. Es ist nicht realistisch, davon auszugehen, wir könnten die Gasfördermengen einfach immer weiter steigern. Wenn man die Menge an verbleibenden Ressourcen nimmt, diese über die Zukunft verteilt und sich zusätzlich ein technisch und ökonomisch realistisches Förderprofil überlegt kommt man zu folgenden Schluss: Der Förderhöhepunkt beim Gas wird wahrscheinlich zwischen 2020 und 2025 überschritten! Den Peak genau zu bestimmen und Aussagen zu treffen, wie der Verlauf der Förderung danach sein könnte, wird ein zentrales Ergebnis unserer Erdgas-Studie sein.

Wie sieht die Erdgas-Zukunft für Endverbraucher aus?
Wenn unsere Szenarien einigermaßen stimmen, könnte Heizöl in einigen Jahren weitgehend unbezahlbar werden. Erdgas würde dann mit einigem Abstand folgen. Für beide Rohstoffe gibt es viel notwendigere Zwecke als sie zu verheizen: Die Industrie braucht sie als Rohstoff – Erdgas ist beispielsweise Ausgangstoff für die Herstellung von Agrardünger. Das ist eine Verwendung, die man nicht so einfach ersetzen kann und mit Sicherheit werden Chemieindustrie und Düngermittelhersteller bereit sein, den größten Preis zu bezahlen.

Was empfehlen Sie den Menschen?
Wir müssen uns noch schneller von diesen begrenzten Rohstoffen unabhängiger machen. Wir sollten nicht warten, bis die Knappheit eintritt. Jeder Euro, der in Einsparung, Energieeffizienz und erneuerbare Energien investiert wird, ist auch aus anderen Gründen sinnvoller angelegt als in den Verbrauch fossiler Energieträger. Das gilt ebenso für jeden einzelnen Hausbesitzer. Das Beste, was der Einzelne tun kann, ist , ein Gebäude durch Wärmedämmung und kontrollierte Belüftung auf minimalen Energieverbrauch zu bringen und den Rest in Form von Solarthermie, Holzpellets oder Holzöfen und Wärmepumpen zu decken.

Quelle: Sonderausgabe 2010/2011 pellets, Kathleen Spilok

Freitag, 10. September 2010

Der Stoff aus dem die Pellets sind

Nachhaltige Rohstoffe für saubere Pellets

Pelletsheizungen wurden für das umweltfreundliche Heizen mit einen nachwachsenden Brennstoff entwickelt. Der Holz-und Spänemarkt hat sich im Laufe der Zeit aber geändert. Ist die Versorgung mit Pellets auch in Zukunft gesichert? Und wie ökologisch sind Pellets heute und morgen?
Pelletsheizer brauchen sich keine Sorgen um ihren Brennstoffvorrat für den nächsten Winter zu machen. Die deutschen Pelletswerke produzieren mehr Pellets, als im Inland verbraucht werden. 2009 waren es insgesamt 1,6 Mio.t, davon verbrauchten Haushalte und Industrie 1,1 Mio.t im Inland. Die restlichen 500.000t gingen in den Export. Die Werke besitzen aber noch große Kapazitäten, um die Produktion aus zuweiten. Bis 2020 rechnen Energiefachleute mit einem achtmal höheren Bedarf an Pellets als heute. Doch wie schaffen es die Pelletserzeuger, solche gewaltigen Mengen herzustellen? Gibt es dafür ausreichend Rohstoffe?

Nach wie vor erste Wahl-Späne und Hackschnitzel
Die Pelletswerke stellen unterschiedliche Pellets für das Heizen in Wohnungen, das Heizen in der Industrie und für das Stromerzeugen in Kraftwerken her. Zusammensetzung und Qualität der Holzpresslinge sind je nach Einsatzgebiet durch Normen geregelt. Die klassischen Pellets für das Verheizen zu Hause sind DINplus-oder ENplus-Pellets. Sie haben den geringsten Ascheanteil und Abreib. Diese Pellets werden nach wie vor überwiegend aus Spänen und Hackschnitzel hergestellt, die ein Restprodukt der Sägeindustrie sind. Nicht ohne Grund stehen die meisten Pelletswerke dirket neben einen Sägewerk. Rund 10Mio.t Späne und Hackschnitzel fallen in Deutschland pro Jahr an. Davon nutzen die Hälfte die Spanplatten-Hersteller. Aus einem weiteren Drittel werden Papier und Zellstoff hergestellt. Nur rund ein Fünftel wird energetisch verwertet. Zu diesem kleinsten Teil der Späneverwerter gehört unter anderem die Pelletsindustrie.

Rund 30% aller Pellets, davon überwiegend Industriepellets, werden aus sogenanntem nicht sägefähigem Rundholz hergestellt. Das ist Holz, das die Sägeindustrie nicht verarbeiten kann. Die Nutzung dieses Holzes ist in den letzten Jahren angewachsen. Dabei bedeutet das Verarbeiten von Rundholz für die Pelletierer mehr Aufwand, da sie die Stämme im Werk zusätzlich zerkleinern müssen. Ein Sonderfall sind NaWaRo-Pellets, also Pellets aus nachwachsenden Rohstoffen in DINplus Qualität, die einige Pelletshersteller seit Kurzem anbieten. Für diese Pellets wird als Rohstoffbasis ebenfalls nur reines Walrestholz, ohne Rinde, genutzt. Die zertifizierten NaWaRo-Pellets, manchmal auch Waldpellets genannt, sind für stromerzeugende Heizungen (Mini-Blockheizkraftwerke, BHKW) geeignet.

Ausreichend Wald für alle Holznutzer
Jeder, der überlegt, auf das Heizen mit Pellets umzusteigen, stellt sich natürlich die Frage , ob er den Brennstoff auch in Zukunft in Deutschland erhalten wird. Hierzulande besitzen wird die besten Voraussetzungen, um mit Holz und Pellets zu heizen: Deutschland verfügt mit 3,6 Mrd.m³ über den größten Holzvorrat in Europa. Ein Drittel unserer Landesfläche ist mit Wald bedeckt. Den hohen Waldanteil im Vergleich zu anderen europäischen Ländern verdanken wir den Aufforstungen hauptsächlich des 19.jahrhunderts. Die nächste gute Nachricht ist, dass jährlich 10% also 120Mio.m³, Holz nachwachsen. Davon werden derzeit nur rund 70Mio.m³ tatsächlich genutzt. Der deutsche Wald ist von einer Übernutzung also noch weit entfernt. Holz für Pellets gibt es im Übermaß.

Die Zukunft: Energieholzplantagen
Zukünftig rechnen Energieexperten damit, dass heimisches Holz als klimaneutraler Energielieferant noch beliebter werden wird. Um einen eventuellen Engpass in 10 oder 15 Jahren abzufedern, ist Holz aus Kurzumtriebplantage (KUP) eine weitere Rohstoffquelle. Angepflanzt werden schnellwachsende Bäume wie Weide und Pappel, aus deren Hackschnitzel sich auch Industriepellets herstellen lassen. Das schnell wachsende Holz vom Acker kann so zukünftig helfen, den Wald als Holzlieferanten zu entlasten. Das Potenzial für KUP ist riesig. 2 Mio.ha an landwirtschaftlichen Flächen stehen bundesweit dafür zur Verfügung. Derzeit wird nur ein Bruchteil von ca. 3.000ha für Ackerholz genutzt. Auf 1ha KUP – das entspricht etwa einen Fußballfeld- wächst von Jahr zu Jahr genügend Holz, um Pellets für zwei oder drei Pelletsheizungen herstellen zu können. In Deutschland haben Pelletsproduzenten schon begonnen, erste Flächen mit Feldholz zu bepflanzen. KUP lassen sich im Sinne des Naturschutzes anpflanzen und sind keineswegs Flächenkonkurrenten für die Nahrungsmittelproduktion. Pappeln und Weiden wachsen auf weniger fruchtbaren Böden und auf Stilllegungsflächen, die nicht für Äckerfrüchte geeignet sind.

Branche achtet auf Nachhaltigkeit der Rohstoffe
Egal ob Späne, Hackschnitzel oder Durchforstungsholz als Rohstoffquelle für die Pellets dienen – alle Rohstoffe stammen aus nachhaltiger Waldwirtschaft, bei der auf das Nachwachsen neuer Bäume und auf die Natur geachtet wird. Mittlerweile sind in Deutschland rund zwei Drittel der Waldfläche nach den Nachhaltigkeitssiegeln PEFC und FSC (Forest Stewardship Council) zertifiziert. PEFC ist die englische Abkürzung für das, Programm für die Anerkennung von Waldzertifizierungssystemen, FSC ist eine Non-Profit-Organisations zur Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft, deren Gütesiegel oft auf Möbeln und anderen Holzprodukten im Handel zu finden ist. Darüber hinaus hat die Pelletsbranche gemeinsam mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) eine Leitlinie für eine nachhaltige Energieholzgewinnung im Wald vereinbart. So verpflichtet sich die Pelletsindustrie unter anderem dazu, Waldrestholzbestandteile wie Wurzeln, Kronen-oder Astmaterial im Wald zu lassen, um ihn als Ökosystem zu erhalten. Auch beim Anlegen von KUP will die Branche besonders auf Naturschutz achten. In einem waldreichen Land wie Deutschland werden die Holzpresslinge in den nächsten Jahrzehnten- auch wenn die Konkurrenz um den Rohstoff Holz wächst- eine bedeutende Rolle als klimaschonender Energieträger spielen.

Quelle: Pellets, von Claudia Hilgers

Dienstag, 7. September 2010

Globaler Wettbewerb um Energie-Ressourcen verschärft sich

Bundeswehr-Studie: Beim Erdöl beginnen die Engpässe - Mögliches "Komplettversagen von Märkten" bedroht die Demokratien

Berlin - Mit dem Streit über Atomlaufzeiten hat Schwarz-Gelb den Fokus von der eigentlichen Aufgabe gelenkt: Es geht um nicht weniger als ein grundsätzlich, zukunftsfähiges Energiekonzept der Bundesregierung. Vor welchem strategischen Hintergrund dies geschieht, zeigt eine Studie des "Zentrums für Transformation der Bundeswehr" in Strausberg bei Berlin.

Dort haben Experten des Dezernats "Zukunftsanalyse" die Folgen knapper werdender Energieressourcen untersucht. Ihr Fazit: Angesichts drohender Versorgungsengpässe - gerade beim Erdöl - droht ein drastischer Ansehensverlust der Politik und damit der Demokratie, wenn in der Energiepolitik nicht zügig umgesteuert wird.

Wenn es angesichts knapper Energieressourcen nicht gelinge, so die Experten, angemessene Lösungsstrategien zu entwickeln, schwinde das Vertrauen der Bevölkerung. Politikverdrossenheit aber könne zu "zunehmender politischer Instabilität und anwachsendem Extremismus führen". Die Erfahrung zeige, "dass nur eine kontinuierliche Verbesserung der individuellen Lebensumstände die Basis für tolerante und offene Gesellschaft legt". Die Studie warnt vor einem "Komplettversagen von Märkten" und der Destabilisierung der globalen Wirtschaftssysteme.

Ausgangspunkt der Analyse ist die Frage, was passiert, wenn das Maximum der Erdölförderung (Peak Oil) überschritten sein wird. Es gebe eine "gewisse Wahrscheinlichkeit", dass dieser Punkt bereits um das laufende Jahr 2010 erreicht werde. Peak Oil markiert freilich das Ende billigen Erdöls. Als Folge werde der Ölmarkt kaum mehr marktwirtschaftlichen Gesetzen folgen. Bilaterale Lieferverträge würden an Bedeutung zunehmen. "Attraktive Gegenleistungen", wie etwa Chinas Waffenlieferungen in einige afrikanische Länder, werden für Erdölexporteure "ein entscheidendes Kriterium für die Auswahl der bevorzugten Empfängerländer sein", so die Analyse. Mit dem Schwinden der Ölreserven gewinnen aber andere Ressourcen an Bedeutung.

In vielen Ländern gelte Kernenergie als vergleichsweise preiswert, wenn die Kosten für Sicherheit und Endlagerung nicht mit berücksichtigt werden. "Mehr Kernenergie würde aber zumindest die statistische Wahrscheinlichkeit von Unfällen erhöhen, die ab einer gewissen Schwelle regional dramatische und destabilisierende ökologische Folgen mit globalen Auswirkungen haben können", wird konstatiert. Aber auch die Alternativen stellen der Studie zufolge die Politik vor große Herausforderungen: So ist mit einem "massiven Ausbau" der Produktion von nachwachsenden Energierohstoffen zu rechnen. Da die landwirtschaftliche Fläche begrenzt ist, wird es zur Konkurrenz mit Nutzpflanzen kommen, was die Preise für Nahrungsmittel treiben wird. Die Energieerzeugung aus Wind, Sonne, Wasser, Geothermie und Biomasse wird zunehmen. Da auch diese Ressourcen je nach geografischen Gegebenheiten sehr unterschiedlich verteilt sind, rechnen die Experten mit dem Aufbau von transnationalen Verbundnetzen.

Durch das Überschreiten des globalen Peak Oil wird die Abhängigkeit vom Erdöl erst so richtig deutlich: Der Rohstoff ist für 95 Prozent aller industriell gefertigten Produkte notwendig. Selbst die globale Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion wurde erst mit Kunstdünger und Pestiziden auf Erdölbasis möglich. Dazu heißt es: "Moderne Volkswirtschaften haben sich auf der Basis billiger fossiler Rohstoffe, insbesondere des Erdöls, ausdifferenziert." Wird Erdöl knapp und teuer, sind alle Sektoren betroffen. Vor allem der Individualverkehr würde stark eingeschränkt mit extremen Folgen für Autoindustrie, Baugewerbe oder auch den Tourismus. Höhere Kosten für den Güterverkehr würden zu Engpässen bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln führen. Daraus könnten sicherheitspolitisch relevante Versorgungskrisen entstehen.

Deutschland bezieht rund 80 Prozent seiner Öllieferungen aus sechs Staaten, Russland steht mit 35 Prozent an der Spitze. "Folglich stellt eine engere Anbindung Russlands an Deutschland und Europa eine zentrale Aufgabe deutscher und europäischer Politik dar", lautet eine Politikempfehlung. Angesichts der drohenden Schwächung westlicher Industrienationen raten die Experten zu einer "zeitlich ambitionierten Energiewende". Mit Blick auf die Bundeswehr heißt es: Die Streitkräfte sollten bis zum Jahr 2100 vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

"Es war höchste Zeit, dass sich der Bund mit dem Thema Peak Oil auseinandersetzt", sagte Hans-Josef Fell, energiepolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, der WELT. Gefordert seien jetzt auch Expertisen des Wirtschaftsministeriums "zum Energiesparen und zu erneuerbaren Energien".
 
Quelle: Zeitung: Die Welt. Von Claudia Ehrenstein