Dienstag, 10. August 2010

Ölpreis: 90 Dollar in Sicht

Der Ölpreis bewegte sich in den vergangenen Monaten seitwärts, wohin geht der Trend?
Hannes Loacker: Der Ölpreis ist kürzlich aus seinem relativ engen Preisband von 72 bis 80 Dollar nach oben ausgebrochen. Hierfür verantwortlichen waren die überraschend guten Wirtschaftsdaten zu China und den USA. Das hat nicht nur dem Ölpreis, sondern auch allen anderen Risikoklassen geholfen.

Ist dieser Trend nachhaltig?
Alle Rohstoffklassen korrelieren zurzeit seht stark mit dem Aktienmarkt. Fällt die Risikoversion der Anleger, steigen die risikoreichen Anlageklassen und umgekehrt. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass diesbezüglich aber keine einheitliche Tendenz erkennbar ist, da die Unsicherheit zur globalen Wirtschaftsentwicklung noch zu groß ist. Entsprechend stark reagiert der Ölmarkt zurzeit daher auf Konjunkturdaten. Kurzfristig dürfte aber vor allem die Hurrikan-Saison, die kurz vor ihrem Höhepunkt steht, für eine Aufwärtsbewegung sorgen. Potenzielle Produktionsausfälle könnten den Preis dann für einige Zeit um bis zu drei Dollar anheben.

Weist auch die Nachfragesituation auf steigende Preise hin?
Ja. Diese ist in den OECD-Ländern zwar noch relativ schwach, allerdings kommen aus den USA bereits erste Anzeichen für eine steigende Nachfrage, vor allem nach Benzin. In den Emerging Markets ist diese ohnehin anhaltend hoch und dürfte heuer um weitere vier Prozent steigen, in China sogar um bis zu acht Prozent. Im nächsten Jahr sollte das Wachstum der globalen Ölnachfrage laut IEA bei 1,6 Prozent liegen.

Wo wird der Ölpreis zu Jahresende liegen?
Wir erwarten, dass dieser bis Jahresende in Richtung 90 Dollar je Barrel steigt. Deutlich darüber dürfte der Preis aber kaum zu liegen kommen, da die Nachfrage in Europa noch sehr zu wünschen übrig lässt.

Inwieweit üben die vollen Öllager einen Abwärtsdruck aus?
Die Rohöllager sind relativ gut gefüllt, in den USA liegen die Bestände um rund fünf Prozent über dem Fünf-Jahres-Schnitt. Der gut versorgte Markt stellt momentan sicherlich eine Barriere nach oben dar, allerdings erwarten wir, dass die Lagerbestände in den nächsten Monaten sinken werden.

Trägt die fehlende Quotendisziplin der OPEC zu diesem Überangebot bei?
Ja. Die OPEC hält ihre selbst auferlegten Förderquoten nicht ein und versorgt den Markt mit mehr als geplant. Deren Quotendisziplin liegt zurzeit nur bei etwa 55 Prozent, während diese im März noch bei 80 Prozent lag.

Die desaströse Ölpest im Golf von Mexiko hat zwar der Ölindustrie und BP massiv geschadet, den Ölpreis aber kaum beeinflusst. Wie erklärt sich das?
Da laut US-Energiebehörde durch den Unfall die Ölproduktion gerade einmal um 0,03 Prozent gesunken ist, war die Reaktion der Spotmärkte verhalten. Längerfristig werden die verschärften Sicherheitsvorschriften aber die Grenzkosten der Förderung steigen lassen, was auch einen höheren Ölpreis zur Folge haben wird. Das zeigte sich bereits an den sehr weit in die Zukunft reichenden Öl-Futures, die sich deutlich verteuert haben.

Haben BP-Aktienbesitzer nach dem Erfolg im Kampf gegen den Ölaustritt nun das Schlimmste hinter sich und können wieder auf steigende Kurse hoffen?
Zumindest das Überleben von BP dürfte gesichert sein. Von entscheidender Bedeutung ist nun die Frage nach der Höhe der ausstehenden Strafzahlungen. Sollte BP nachgewiesen werden können, dass das Unternehmen grob fahrlässig gehandelt hat, könnten die Strafzahlungen um den Faktor vier steigen und Mehrkosten von bis zu zehn Milliarden Dollar verursachen. Ist hingegen nicht der Fall, darf man eine sehr positive Reaktion der Börse erwarten.

Für Ölzertifikate-Inhaber ist die Preis-Terminkurve relevant. Hohe Lagerbestände und konjunkturelle Risiken deuten laut manchen Experten auf eine Backwardation-Situation hin. Ist dieses Szenario realistisch?
Meiner Meinung nach wird sich zwar die Steilheit der Kurve abflachen, ich glaube aber nicht an eine bevorstehende Backwardation-Situation.

Quelle: Wirtschafts Blatt

Montag, 9. August 2010

IFAT Entsorga Expertengespräch

Klimafolgenforscher warnt vor Kohle-Renaissance
Prof. Dr. Ottmar Edenhofer: Weltweites Ausweichen auf Kohle  bei steigendem Ölpreis  ist die klimapolitische Herausforderung des 21.Jahrhunderts.

Die gigantische Ölkatastrophe im Golf von Mexiko wird drastische Folgen haben: personelle, ökologische, wirtschaftliche. Aber profitiert wenigstens das globale Klima davon, wenn die Havarie den Rohölpreis weiter steigen und den weltweiten Verbrauch dadurch sinken lässt?
Ganz im Gegenteil, wie Prof. Dr. Ottmar. Edenhofer, Vorsitzender im Weltklimarat, das diesjährige IFAT Entsorga Expertengespräch in Berlin eröffnete:"Steigende Ölpreise sind ein Desaster für den Klimaschutz", erklärte der Wissenschaftler bei dem Expertengespräch in Berlin.
Ein hoher Ölpreis mache die Nutzung von Kohle zur Verstromung bereits jetzt wieder deutlich Wettbewerbsfähiger, vor allem in China, Indien und den USA.
"Wir befinden uns mitten in einer Renaissance der Kohle", konstatierte Edenhofer.
Der Preis dafür seien noch stärker steigende CO2-Emissionen. Wissenschaftler sind sich einig: Die globale Durchschnittstemperatur dürfe in den nächsten Jahrzehnten auf keinen Fall um mehr als 2 Grad steigen.
Andernfalls drohten Konsequenzen , die längst nicht mehr beherrschbar sind- etwa Ernteausfälle in Teilen Afrikas oder ein Anstieg des Meeresspiegels, der die Existenz von Millionen Menschen in den Küstenregionen gefährden würde.
Das 2-Grad-Ziel sei, so Edenhofer, aber nur zu erreichen, wenn die Emissionen von Klimagasen schon in den nächsten Jahren konstant bleibt und spätestens zu Beginn des nächsten Jahrzehnts zu sinken beginnt ein Ziel, das im Moment weiter entfernt scheint als je zuvor.
Die Voraussetzung für den dringend notwendigen Kurswechsel sei die Errichtung eines globalen CO2- Marktes, der klimaschädliche Emissionen auf ein verträgliches Minimum begrenzt.
Zudem seien technologische Innovationen erforderlich, um dieses Ziel zu erreichen.

Quelle: UmweltJournal