Donnerstag, 22. Juli 2010

DGS-Stellungnahme zur Wiederaufnahme der MAP-Förderung

(DGS Fachausschuss Solarthermie) Das Klimaschutzziel der Bundesregierung sieht unter anderem eine Erhöhung des Anteils der Erneuerbaren Wärme von 7 auf 14% bis 2020 vor. Die Situation auf dem deutschen Markt zeigte 2009 einen Marktrückgang bei der Solarthermie um ca. 30%, bei der Wärmepumpe um ca. 20% und bei Pelletsheizungen um ca. 10%. Genau in dieser Marktlage verkündete die Bundesregierung am 3. Mai diesen Jahres einen Bewilligungsstopp beim Marktanreizprogramm (MAP) mit monatelanger Unklarheit, ob die Förderung wieder aufgenommen wird oder nicht. Die Folge war ein weiterer Rückgang der Umsätze, z.B. im Bereich Solarthermie um 33% im Mai 2010.

Der Förderstopp wurde mit Sparzwängen bei der Haushaltssanierung begründet. Das ifo-Institut hat errechnet, dass die Einnahmeausfälle durch den Förderstopp größer sind als die Einsparungen (Einsparungen 115 Mio, Einnahmeausfälle min. 250, max. 580 Mio.). Am 12.Juli wurde die Förderung in Teilbereichen wieder aufgenommen. Zusätzlich wurden noch Mittelreduzierungen für 2010 ( von 500 auf 380 Mio.) und bis 2013 auf jährlich 340Mio. beschlossen.

Um den Anteil der Erneuerbaren Energien auf 20% im Jahre 2020 und auf 50% im Jahre 2050 anzuheben , müssen die bisherigen Anstrengungen stark erhöht werden. Stattdessen kürzt die Bundesregierung die Mittel in den Bereichen MAP (Solarthermie, Biomasse, Wärmepumpe), KfW (energetische Gebäudesanierung) und Photovoltaik. Es werden dabei nicht nur Firmen und Arbeitsplätze im Bereich zukunftsfähiger Technologien gefährdet und Einnahmeausfälle produziert sondern auch lauthals verkündete Klimaschutzziele verpasst.

Prof.N.Stern, ehemaliger Weltbank-Chefökonom und jetziger Leiter des volkswirtschaftlichen Dienstes der britischen Regierung, hat in seinem Report (2006) festgestellt, dass unterlassener Klimaschutz fünf-bis zwanzigmal mehr kostet als durchgeführte Klimaschutzmaßnahmen. Wenn wir weiterhin im Klimaschutz so halbherzig handeln, bürden wir uns und den kommenden Generationen zusätzlich enorme Probleme auf.

Das wichtigste im Überblick:
  • Es gibt eine Förderrichtlinie: http://www.bafa.de/bafa/de/energie/erneuerbare_energien/index.html
  • Es müssen neue Anträge gestellt werden, Anträge, die im Zeitraum des Förderstopps beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eingegangen sind, werden abgelehnt.
  • Für bereits errichtete Anlagen wurde eine Ausnahmeregelung geschaffen. Anlagen, die im Zeitraum 1.11.2009 bis 28.2.2010 errichtet wurden sind bis zu 9 Monate nach der Installation noch antragsberechtigt.
  • Zukünftig wird sich die MAP-Förderung auf den Gebäudebestand konzentrieren. Als neue Fördervoraussetzungen ist in der Richtlinie festgelegt, dass nur Gebäude, "Die bereits über ein Heizungssystem verfügen" förderfähig sind. Einzige Ausnahme bilden hier solare Prozesswärmeanlagen, die auch weiterhin im Neubau möglich sind.
  • Die Förderung von Warmwasseranlagen ist nur noch in der Innovationsförderung im Bereich der Mehrfamilienhäuser möglich.
  • Die Fördersätze werden angepasst.                                                 
  • Basisförderung (für Kombianlagen hauptsächlich auf Ein-und Zweifamilienhäuser) 90 Euro/qm
  • Innovationsförderung (für Warmwasser, Heizungsunterstützung, Kälteanlagen, Prozesswärme) 180 Euro/qm
  • Kesseltauschbonus (befristet bis Ende 2010) 500Euro
  • Effizienzbonus (nur noch eine Stufe) insgesamt das 1,5-fache der Basisförderung

Forderung der Wirtschaft: Sanierungsscheck fortsetzen!

Sanierungsscheck läuft aus
"Umwelt+Bauen": Unter diesem Namen starteten insgesamt 15 Partner aus den verschiedensten Institutionen eine überparteiliche Initiative für den Ausbau der Gebäudesanierung und die Weiterführung des Sanierungsschecks in Österreich. Gemeinsam will man die Politik von der Notwendigkeit der erarbeiteten Nachhaltigkeitsmaßnahmen überzeugen. Aus dem Ministerium gab es eine vorläufige Absage.

Die Ausgangslage ist alles andere als rosig. Die Sanierungsrate liegt nach wie vor bei rund 1 %, das Erfolgsmodell des "Sanierungsschecks" läuft aus, die Energiestrategie 2020 ist in kritischer Diskussion und die Nachhaltigkeit droht der Budgetsanierung geopfert zu werden.
Sparen allen sei sicherlich keine Lösung
, sondern verhindert eine Wachstumssteigerung, so die Partner der Nachhaltigkeitsinitiative Umwelt+Bauen: "Wir profitieren noch heute von den Investitionen, die in der Vergangenheit getätigt worden sind! Um die Wirtschaft anzukurbeln. Arbeitsplätze zu sichern und unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft zu schaffen, müssen wir jetzt intelligent in Umwelt- und Baumaßnahmen investieren".

Vier Kernziele:
Dabei nannte die Initiative bei einer gemeinsamen Pressekonferenz vier Kernziele:
Das erste ist eine Steigerung der Sanierungsrate, speziell bei Ein-und Zweifamilienhäusern aus der Bauperiode 1945-1980 sowie bei öffentlichen und gewerblichen Gebäude. Um die von der Bundesregierung angestrebte Sanierungsrate von 3% zu erreichen, bedürfe es daher zusätzlicher Fördermittel im Ausmaß von jährlich 300 Mio. Euro für die thermische Sanierung. Zum zweiten soll auch das Neubauangebot an leistbaren Wohnungen erhöht werden, etwa durch eine bedarfsgerechte Dotierung der Wohnbauförderungsbudgets der Länder. Der Umstieg auf erneuerbare Energieträger ist die dritte Forderung der Initiative. Eine Umstellung der derzeit ca. 600.000 alten Heizsysteme auf erneuerbare Energien müsse forciert werden. Zudem sollen viertens in nachhaltige Verkehrsinfrastruktur und notwendige zeitgemäße Bildungseinrichtungen investiert werden. Je früher in den Bau bzw. in die Sanierung von Verkehrswegen und Bildungseinrichtungen investiert würde, umso günstiger und nachhaltiger seien diese für die öffentliche Hand.

Ziel: Sanierungs-Heizungs-Scheck
"Die Kernziele der gemeinsamen Nachhaltigkeitsinitiative Umwelt+Bauen machen es deutlich: wir müssen bei Neubau und Sanierung konsequent auf erneuerbare Energie umsteigen, um die Klimaschutzziele zu erreichen", konstatierte auch Roger Hackstock, Geschäftsführer von Austria Solar, gegenüber dem UmweltJournal. Der Umstieg auf erneuerbare Energie sei zugleich auch ein Beschäftigungsmotor und bringend Geld in die Staatskasse."Ein Beispiel: jede Solaranlage zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung bringt 4.000 Euro an Einnahmen für den Staat (Ust, Lohnsteuer, Körperschaftssteuer). Acht solcher Anlagen sichern einen Vollzeitarbeitsplatz. Eine Heizungstauschoffensive mit Solarbindung würde private Investitionen in tausende solcher Anlagen auslösen, mit volkswirtschaftlichen Effekten, die uns alle zugute kommen", schildert Hackstock. Die Fortführung des Sanierungsschecks mit einem klaren Fokus auf Gebäude- und Heizungssanierung sei daher ein Kernziel der gemeinsamen Initiative.

Frühestens 2011 wieder
Der allseits geforderte Sanierungsscheck könnte aber zum Sanierungsscheck werden. Denn das zuständige Wirtschaftsministerium hatte dazu nur eine vorläufige Absage parat: "Wegen der budgetären Situation wird es heuer voraussichtlich keine Bundesförderung für die Thermische Sanierung geben, frühestens2011 wieder. Allerdings stehen schon derzeit die verschiedenen Fördertöpfe der Bundesländer zur Verfügung. In Zukunft wird im Rahmen der geplanten Ökologisierung des Steuersystems eine zusätzliche Unterstützung für die thermische Sanierung angestrebt".

Quelle: UmweltJournal, Autor: Mag. Alexander Kohl

Dienstag, 20. Juli 2010

Umweltschäden werden Wirtschaftsfaktor

1,7 Billionen Euro pro Jahr kosten laut Uno die Umweltschäden, die die 3000 größten Unternehmen anrichten. Statt der Verursacher zahlt meist die Allgemeinheit.

Die Fischer in Louisiana dürfen ihre Netze nicht auswerfen, und wenn sie es doch täten, wären sie so wie die Strände voller Öl. In den Restaurantküchen fehlt der Fisch, an den Tischen und in den Hotelzimmern die Gäste. Was die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko kosten wird, weiß noch niemand. Sicher ist: Es wird nur ein Bruchteil dessen sein, was Konzerne jedes Jahr an Umweltschäden anrichten: Rund 1,7 Billionen Euro Schaden, etwa viermal so viel wie Österreich Wirtschaftsleistung, verursachen die 3000 größten Unternehmen der Welt pro Jahr.

Das ist ein erstes Ergebnis einer Studie im Auftrag der Uno, das am Dienstag veröffentlicht wurde. Beunruhigend finden diese Entwicklung vor allem Firmenchefs in Afrika und Südamerika: Etwa die Hälfte meint, weniger Biodiversität-also Artenreichtum und-vielfalt-würde das Wirtschaftswachstum gefährden. In Europa und Nordamerika sehen nicht einmal 20 Prozent der CEOs das als Bedrohung, geht aus der Studie The economics of ecosystems and biodiversity der Uno hervor.
Es gibt viele Möglichkeiten wie abnehmende Biodiversität und zerstörte Ökosysteme Geld kosten können: Wenn ein Wurm ausstirbt , in dessen Genen ein Heilmittel für Alzheimer enthalten war; wenn Wälder abgeholzt werden, die verhindern, dass Boden erodiert; oder wenn Flüsse begradigt werden, deren Au vor Überschwemmungen geschützt haben.

Derzeit sterben nach Uno Schätzungen täglich etwa 130Arten aus, damit geht das Artensterben 100-mal schneller voran, als die Evolution das vorgibt. Außerdem wir täglich eine Fläche Urwald gerodet, die eineinhalb Mal so groß ist wie die Schweiz.
"Wie Unternehmen mit diesen Risiken umgehen, wird immer mehr entscheiden, ob sie profitabel wirtschaften", sagte Achim Steiner, Chef der UN-Umweltorganisation UNEP bei der Präsentation. Firmen sollten genau prüfen und ausweisen, wie schädlich ihr Verhalten oder ein bestimmtes Produkt für die Umwelt ist oder welche Folgekosten sie verursachen, meinen die Studienautoren. Die US-Handelskette Wallmart oder das Minenunternehmen Rio Tinto nennen sie als positive Beispiele.
Für Unternehmen würde es sich lohnen, umweltfreundlich zu wirtschaften: Einerseits werde es für Kunden immer wichtiger, ob Produkte umweltschonend produziert werden. Andererseits bietet die Rücksichtnahme auf Artenvielfalt und Ökosysteme auch neue Geschäftsmodelle wie nachhaltig produzierte Lebensmittel, Ökotourismus oder Wiederaufforstungsprogramme.

Ökosystemen fehlt der Preis
Weil die Nutzung von Ökosystemen keinen Marktwert habe, würden viele Unternehmen derzeit keine Rücksicht auf sie nehmen, meint Steiner. "Kosten für Umweltschäden tragen Versicherer, die Bevölkerung und der Steuerzahler", sagt er zur Süddeutschen Zeitung. Durch Abgaben und Steuern solle Ökosystemnutzung einen Preis bekommen.
Das führt aber auch zu Problemen:"Der Ansatz über steuern ist nicht immer sinnvoll, etwa bei Feinstaub, wo es mehrere diffuse Verursacher gibt", sagt Umweltökonomin Angela Köppl vom Wifo. "Die Frage ist: Gibt es eine eindeutige Kausalität zwischen Ursache und Schaden, wie etwa bei fossilen Brennstoffen?"
"Wenn Firmen ein erhöhtes Risiko von Umweltschäden eingehen, sollten sie dafür zahlen", meint hingegen Franz Prettenthaler, Umweltökonom am Joanneum Graz. "Gefragt sind die Versicherungen, sie müssen die Prämien anpassen, dass sich umweltfreundliches Verhalten lohnt." Zwar gibt es internationale Abkommen, die festlegen, dass Unternehmen für Schäden aufkommen müssen-"nur sind die Strafen meist viel zu niedrig gedeckelt", sagt Fritz Krois vom Umweltbundesamt.
In Österreich regelt das das Bundesumwelthaftungsgesetz: "Es stehen aber so viele Ausnahmen darin, dass es wahrscheinlich nur wenige Anwendungsfälle gibt." Außerdem sind darin nur Schäden für Gewässer, den Boden und geschützte gebiete geregelt-Biodiversitätsschutz ist Ländersache.

Quelle: DER STANDARD, Tobias Müller

Montag, 19. Juli 2010

"Kritische Stellungnahme der EE-Verbände zum NAP"

Der Aktionsplan gleicht einer Vollbremsung
Verbände wollen mit EU-Kommission direkt Verbindung aufnehmen, um das hohe Potenzial an Erneuerbare für Österreich aufzuzeigen.

Die Verbände der Erneuerbaren Energie laufen Sturm und fordern eine Überarbeitung, bevor der Plan nach Brüssel geht. Seit dem Jahr 2005 konnte der Anteil erneuerbarer Energie am Brutto-Endenergieverbrauch in Österreich deutlich gesteigert werden. In nur drei Jahren stieg der Anteil um 4,4%von 24,4% im Jahr 2005 auf 28,8% im Jahr 2008 (Quelle: Energiestrategie Österreich). "Geht es nach der Bundesregierung, so soll mit dem rasanten Ausbau der Erneuerbaren in den nächsten zehn Jahren Schluss sein. In den nächsten zehn Jahren sollen nicht mehr als 5,4% an erneuerbarer Energie dazukommen, der Zielwert liegt bei 34,2% im Jahr 2020," so interpretierten die Verbände der erneuerbaren Energien das Ergebnis des vorläufigen Endberichtes der Bundesregierung zum "Nationalen Aktionsplan 2010 für erneuerbare Energie(NAP)"

Gezielt falsch informieren?
Die Verbände -Biomasse-Verband, proPellets, IG Windkraft, Kleinwasserkraft, Photovoltaic Austria, Austria Solar, Arge Kompost&Biogas-appellierten geschlossen schon am selben Tag der Bekanntgabe des NAP an die Bundesregierung, die Ziele des Aktionsplans gemeinsam mit Fachverbänden vor Übermittlung an Brüssel zu überarbeiten."Es werden in dem Plan derart unrealistische Zahlen verwendet, dass der Eindruck entsteht, man möchte die Europäische Kommission gezielt falsch informieren. Im vergangenen Jahr wurden in Österreich Biomassekessel mit rund 700 MW Leistung installiert. Nach dem Aktionsplan sollen es 2011 nur 40 MW sein", warnt Christian Rakos, Geschäftsführer von proPellets Austria.

Stillstand und Rückgang für Solar und Biomasse
"Der Aktionsplan sieht einen Ausbaustopp bei erneuerbarer Energie in Gebäuden ab 2015 vor, ein "Witz", meint Roger Hackstock vom Verband Austria Solar."Bei Solarwärme darf sich in den nächsten zehn Jahren nicht mehr tun als in den letzten Jahren, wenn man die Ziele im Aktionsplan ernst nimmt. Der Jobroboter Solarwärme liefe damit über Jahre im Leerlauf, statt zu beschleunigen", so Hackstock. Bei der Biomasse würden die angeführten Zielwerte schwerwiegend negative Folgen für den Heimmarkt haben. "Die Ausbauzahlen im Aktionsplan bedeuten einen Rückgang der jährlichen Ausbaurate von 75%", beschreibt Heinz Kopetz, Präsident des Österreichischen Biomasse Verbandes, die Dramatik. Wird diese Entwicklung Wirklichkeit, bedeutet dies einen Einbruch des Heimmarktes, den Abbau von Arbeitskräften bis hin zu Betriebsschließungen. Ein kürzlich von diesen Verbänden präsentierter Aktionsplan zeigt, dass ein erneuerbarer Energieanteil von 50 Prozent am Gesamtenergie-Mix bis zum Jahr 2020 möglich ist. Die Verbände wenden sich nun direkt an die EU-Kommission, um auf dieses hohe Potenzial für Österreich hinzuweisen.

Quelle: UmweltJournal

Dienstag, 13. Juli 2010

"Kein Bedarf auf mysteriöse Zukunftstechnologien zu warten"

Strategie für ein zukunftsfähiges Energiesystem
Langfristig werden fossile Energieträger für Verbrennungszwecke nicht verfügbar sein.

Die Potenzialabschätzungen für erneuerbare Energien, die Umwelt Management Austria in den letzten Jahren durchgeführt hat, zeigen deutlich, dass nicht einmal der gegenwärtige Energieverbrauch damit gedeckt werden könnte. Es geht also darum, mittels-bis langfristig den Energieverbrauch, der jahrzehntelang zum Teil dramatisch gestiegen ist, zunächst zu stabilisieren und schließlich zu senken. Die Potenziale effizienter Energienutzung sind durchaus vielversprechend. Die technischen Möglichkeiten sind bereits jetzt gegeben. Es besteht kein Bedarf, auf mysteriöse Zukunftstechnologien zu warten. Die wichtigen Schritte, die derzeit fehlen:
  • Politische Instrumentarien (Finanzielle und rechtliche Anreize zu Energieeffizienz und Verhaltensänderung)
  • Akzeptanzstrategien (Öffentlichkeitsarbeit leisten, Bewusstsein wecken, Qualifikation und Bildung vermitteln,...)
Die Schwierigkeit der Entwicklung einer Strategie ein zukunftsfähiges Energiesystem liegt daher nicht im Auffinden technischer Lösungen. Es geht vielmehr darum, mit Konsequenz auf deren Umsetzung hinzuarbeiten. Angesichts der jahrzehntelang steigenden Energieverbräuche ( bei durchaus verfügbaren Effizienztechnologien!) wir dies großer Anstrengungen bedürfen. Voraussetzung für den Erfolg wird ein ganzheitlicher Zugang zur Problematik und eine umfassende, vollständige Realisierung der Maßnahmen sein.

Energiestrategie für Österreich
Zur Erarbeitung der am 17.03.2010 präsentierten "Energiestrategie Österreich" wurde ein anderer Weg gewählt: Zugrunde gelegt wurden die EU Ziele für 2020. Um diese zu erreichen wurde ein Stabilisierungsziel von 1.100 PJ für den Endenergieverbrauch vorgegeben. Für einzelne Sektoren bzw. Verwendungszwecke wurde dabei ein steigender Energiebedarf zugelassen. Die Erarbeitung von Maßnahmenvorschlägen erfolgte in Arbeitskreisen unter Mitwirkung von ca. 150 Vertretern aus der Verwaltung der Wirtschaft, Wissenschaft, Umwelt und Gesellschaft. Durch die Zergliederung in begrenzte sektorale Betrachtung in einzelnen Arbeitsgruppen, die terminliche Fixierung mit 2020 und die Besetzung der Arbeitsgruppen mit Lobbyisten des bisherigen Energiesystems war zu befürchten, dass die notwendige , oben begründete Energiewende bzw. der umfassende Umbau des Energiesystems, wie ihn auch die Sozialpartner in einer gemeinsamen Studie gefordert hatten, unterbleiben würde.
Allerdings kann eine Reihe von Inhalten und Vorschlägen dieser Energiestrategie als positiv begrüßt und befürwortet werden:
  • Das Bekenntnis zum Klimaschutz, zur Reduktion von Treibhausgasemissionen, zur Energieeinsparung und zum Ausbau der erneuerbaren Energien
  • Ziele wie Umweltverträglichkeit, Sozialverträglichkeit und sichere Versorgung
  • Vorschläge zu übergreifenden Maßnahmen von einem Energieeffizienzgesetz bis zur ökologischen Steuerreform und Energieraumplanung
  • Konkrete Vorgaben wie z.B.: die Steigerung der Sanierungsrate für Altbauten, Abwärmenutzung, Substitution von fossilen Energieträgern, Mikro-KWK Lösungen, Fernwärme und Fernkälte auch aus Solarthermie u.v.a.m.
Wesentliche Kritikpunkte sind:
  • Es fehlt die langfristige Perspektive und damit der Weg zum grundlegenden Umbau des Energiesystems.
  • Durch die Fixierung auf den Zeitpunkt 2020 wird es möglich, diese relativ kurzfristigen Ziele auch unter heranziehen kontraproduktiver Maßnahmen (der Anteil der Kohle steigt z.B von knapp 25PJ auf mehr als 27PJ) zu erreichen.
  • Energieintensive Unternehmen dürfen ihren Verbrauch um 15%, Haushalte, Gewerbe, Dienstleistungen, Landwirtschaft und Kleinverbrauch um 10 % bis 2020 steigern. Langfristig muss aber der Energieverbrauch generell sinken, um die Bereitstellung durch erneuerbare  Energieträger zu ermöglichen.
  • Die Ziele sind so festgelegt, dass sie nur bei vollständiger und kontinuierlicher Realisierung der Maßnahmen erreicht werden können.
  • Man darf daher davon ausgehen, dass die Ziele für 2020 sicher nicht erreicht werden.
  • Viele Maßnahmen sind unkonkret und vor allem unverbindlich. Die Diskussion um Ökosteuer, Ökostromgesetz oder Energieeffizienzgesetz wird also wohl weitergehen wie bisher, nämlich ohne konkrete Umsetzung.
  • Klare Aussagen zur Ablehnung von Atomenergie, Ausstieg aus Euratom etc. fehlen.
  • Bei den Potenzialen erneuerbarer wird Windenergie und Photovoltaik unterbewertet, Wasserkraft dagegen zu hoch angesetzt. Die Realisierung dieses Potenzials würde mit der Zerstörung wertvoller Naturräume einhergehen.
  • Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die aktuelle Energiestrategie Österreich zu begrüßende  allgemeine Zielsetzung enthält. Zukunftsfähige Maßnahmen, die zu einem langfristigen tragfähigen Energiesystem beitragen, werden allerdings konterkariert durch auf kurzfristige Ziele orientierte, langfristig kontraproduktive Maßnahmen.
Die Maßnahmen sind so dimensioniert, dass die vorgegebenen Ziele für 2020 aller Voraussicht nach nicht erreicht werden können. Außerdem sind zahlreiche wichtige übergreifende Maßnahmen zwar formuliert, aber absolut unkonkret und unverbindlich, sodass sie ihre Wirkung wenn überhaupt dann erst nach längerer Diskussion und nach einer (allfälligen) Beschlussfassung entfalten können.
Kurz gefasst: Die Energiestrategie Österreich-eine versäumte Chance!

Quelle: UmweltJournal, Autor: Dr. Reinhold Christian, Umwelt Management Austria

Montag, 5. Juli 2010

European Pellet Council (EPC) gegründet

Dr. Christian Rakos EPC-Präsident

Das European Pellet Council (EPC) wurde am 1. Juli 2010 in Brüssel von Vertretern aus zehn europäischen Ländern gegründet sowie eine Satzung verabschiedet, informiert der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband (DEPV), Berlin. Als EPC-Präsident wurde Dr. Christian Rakos, Geschäftsführer proPellets Austria, gewählt. Die Finnin Eija Alakangas ist Vize-Präsidentin.

Schwerpunkt beim EPC werden die Interessenvertretung in der EU sowie die internationiale Umsetzung des vom Deutschen Pelletinstitut (DEPI) erstellten Zertifizierungssystems ENplus sein.

EPC ist als eigenständiges Gremium dem europäischen Biomasseverband AEBIOM angegliedert.

Freitag, 2. Juli 2010

Neue Förderrichtlinie für Pelletsheizungen in Oberösterreich

Gültig ab 1. Juli 2010

Fördervoraussetzungen
Für Pelletsanlagen mit einem ausschließlich wassergetragenen Zentralheizungssystem muss eine Typenprüfung hinsichtlich Leistung, Wirkungsgrad und Emission von einer staatlich autorisierten Prüfstelle vorliegen. Die Antragstellung muss bis spätestens ein Jahr (Eingangsstempel der Förderstelle) nach Anfallen der Kosten (Datum der Rechnung) erfolgen. Die einschlägigen baubehördlichen Bestimmungen des OÖ LUftreinhalte- und Energietechnikgesetzes sind einzuhalten.

Förderbar sind generell nur jene Heizsysteme, die ausschließlich auf Biomassebasis betrieben werden. Werden hingegen fossile Energieträger für Zusatzheizungen eingesetzt, so ist keine Förderung möglich.

Wie wird gefördert?
Gewährt werden nicht rückzahlbare Zuschüsse und die Förderintensitäten sind bei allen Maßnahmen mit bis zu max. 50% zu den förderbaren und anerkennungsfähigen Nettokosten begrenzt:
  • Bei einer vollständigen Umstellung von fossilen Energieträgern bzw. Energieerzeugern (Öl, Gas, Kohle und Allesbrenner) auf Ökoenergie können für Pelletsheizungen bis zu max. € 2.200,- gewährt werden. (Die bisherige Zusatzförderung für die Öltankentsorgung entfällt ersatzlos)
  • Beim Einbau einer Neuanlage in einen Neubau können für Pelletsheizungen bis zu max. € 1.700,- gewährt werden (Eine Neuanlage ist nur dann gegeben, wenn bisher noch keine Biomasseheizanlage bestanden hat)
  • Bei der Erneuerung und Modernisierung einer bereits bestehenden Biomasseheizanlage, die zumindest 15 Jahre alt ist, kann für eine neue Pelletsanlage - als Ersatzinvestition - eine Beihilfe in der Höhe von € 500,- gewährt werden.
Bei gemeinschaftlichen Biomasseheizanlagen und zentralen Heizanlagen bei Mietkauf-Reihenhäusern beträgt die Förderintensität 25% und die Beihilfenobergrenze kann je nach Anzahl der am Projekt beteiligten Wohnobjekte bzw. Förderungswerber angehoben werden.

Gültigkeit der Richtlinie
Für alle Anträge und Investitionen (Rechnungs- und Zahlungsdatum) ab 1. Juli 2010

Förderungsabwicklungsstelle
Die Förderung wird vom Amt der Oberösterreichischen Landesregierung, Abteilung Land- und Forstwirtschaft abgewickelt.
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