Dienstag, 14. Dezember 2010

Umstieg von Heizöl auf Pellets bedeutet Reduktion der CO2-Emissionen um 98 Prozent

Umfangreiche Studie dokumentiert CO2-Bilanz der heimischen Pelletproduktion

Wolfsgraben bei Wien (OTS) – Eine umfassende Studie der Forschungsorganisation Bioenergy 2020 und der ARGE Erneuerbare Energie Wien/Niederösterreich im Rahmen des Programms klima:aktiv kommt zu dem Schluss, dass der Umstieg von Heizöl auf Holz-Pellets eine CO2-Reduktion von 97,6 Prozent zur Folge hat. Um zu diesem Ergebnis zu kommen, haben sich die Studienautoren die CO2-Bilanz der heimischen Pelletproduktion genauer angesehen.

Die Datenbasis dafür kam von acht Pelletproduktionsstandorten in Österreich, die rund 50 Prozent der gesamten heimischen Produktion abdecken. Genau analysiert wurden die Rohstoffbasis, der elektrische Energieverbrauch für die Pelletproduktion, der Wärmeeinsatz zur Trocknung der feuchten Sägespäne sowie der Energieaufwand für den Transport der Pellets zum Endkunden. Da in allen Werken die Trocknung der Sägespäne mit Energie aus Biomasse erfolgt, entstehen CO2 Emissionen nur durch die Pelletproduktion (im Durchschnitt 18 kg CO2 pro Tonne Pellets) und den Transport der Pellets zum Endkunden (im Durchschnitt 14 kg pro Tonne Pellets). Damit entsteht bei der Produktion und Lieferung von einer Tonne Holzpellets insgesamt 32 Kilogramm CO2-Emissionen. 490 Liter Heizöl, die den gleichen Brennwert haben wie eine Tonne Holzpellets, setzen hingegen 1323 Kilogramm CO2 frei.

Dazu Dr. Christian Rakos, Geschäftsführer von proPellets Austria: „Das Potenzial der CO2-Reduktion im Bereich der Wärme ist enorm, wie die aktuelle Studie der ARGE Erneuerbare Energie anschaulich zeigt. Das ist eine klare Botschaft an die nationale und internationale Entscheidungsträger, die soeben in Cancun über Mittel gegen den Klimawandel berät.“

proPellets Austria ist der Verband der österreichischen Pelletwirtschaft und vertritt über 60 österreichische Unternehmen aus den Bereichen Pelletproduktion, Pellethandel, Herstellung von Heizkessel und der Zulieferindustrie. proPellets Austria ist Mitglied des Europäischen Biomasseverbands AEBIOM und des European Pellet Council.

Rückfragehinweis/Bildquelle:
Dr. Christian Rakos
proPellets Austria
Hauptstraße 100
A-3012 Wolfsgraben
T: +43 2233 70146
M: +43 664 5146412

Montag, 13. Dezember 2010

Ölpreis bekommt Kälteschock

Kältewelle hat Europa erfasst und damit auch den Ölpreis. Der Preis steigt und steigt, längst hat er ein Zwei-Jahres-Hoch erklommen. Es ist nicht die beißende Kälte allein, die den Preis treibt.

Neben dem Winterwetter stützt auch die aktuelle Dollar-Schwäche den Ölpreis. Die Währung litt unter Spekulationen um eine Ausweitung des Anleihe-Ankaufprogramms der US-Notenbank über das bisher angepeilte Volumen von 600 Milliarden Dollar hinaus. "Der Dollar kommt weiter unter Druck. Ich wäre nicht überrascht, wenn der Ölpreis im Laufe der Woche die Marken von 91 und 92 Dollar überspringt", sagte Peter McGuire, unabhängiger Rohstoff-Stratege in Sydney.

Auch die Experten der Commerzbank begründen die steigenden Rohstoffpreise mit der Entschlossenheit der US-Notenbank, die wirtschaftliche Schwäche mit einer massiven Ausweitung der Geldmenge zu bekämpfen. Hinzu komme der allgemeine Marktoptimismus und auch ein erhöhtes spekulatives Interesse.

Ölpreis auf 26-Monats-Hoch
Bei den Ölpreisen kommt außerdem noch die klirrende Kälte in großen Teilen Europas hinzu. In den Vereinigten Staaten, dem größten Heizöl-Markt der Welt, sieht es kaum besser aus. Für den Nordosten der USA sagen Meteorologen außerdem anhaltend unterdurchschnittliche Temperaturen voraus. Neben dem höheren Heizbedarf sorgt auch die stärkere Nachfrage nach Dieselgeneratoren angesichts der Energiesparmaßnahmen in China für Aufwind, so die Commerzbank.

Heute verteuerte sich das Barrel der amerikanischen Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) um bis zu 0,6 Prozent auf 89,76 Dollar. Nordsee-Öl Brent notierte in der Spitze 0,7 Prozent fester bei 92,03 Dollar. Damit waren beide Sorten so teuer wie seit Anfang Oktober 2008 nicht mehr.

Warten auf die Opec
Mit Spannung erwarten Händler die nächste Sitzung der Organisation Öl exportierender Länder (Opec) am 11. Dezember. Der venezolanische Energieminister Rafael Ramirez sagte kürzlich, er halte einen Preis von 100 Dollar je Barrel für "fair", ähnlich äußerte sich der angolanische Ölminister José Maria Botelho de Vasconcelos.


Quelle: http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_494228

Donnerstag, 18. November 2010

Peak Oil liegt hinter uns

Jetzt ist es wohl offiziell - die Internationale Energieagentur (IEA) hat selbst zugegeben, dass die Förderung höchstens für einige Jahre stabil bleiben kann, bevor sie endgültig abrutscht. Kommentar von Craig Morris

Vor wenigen Jahren war Peak Oil ein Thema für Skeptiker und Außenseiter. Auch wenn einige wenige prominente Insider die Alarmglocken mit geläutet haben (z.B. Matthew Simmons, s. Peak oil: Steigende Preise, sinkende Förderung) , behaupteten BP, die IEA, und andere Industrieorganisationen immer brav und beruhigend, der Peak komme wohl erst in ein paar Jahrzehnten. Zum Beispiel meinte die IEA erst 2009, dass Peak Oil frühestens 2020 erreicht werde.

Am Dienstag schlug die IEA im World Energy Outlook 2010 jedoch überraschend einen neuen Ton an. Nun spricht die Organisation nicht nur offen von Peak Oil (die IEA nahm bisher den Begriff ungern in den Mund), sondern liefert gleich eine Grafik mit, die es in sich hat.

Man sieht deutlich, dass das Fördervolumen leicht gesunken ist; die Ökonomen würden wohl auf den gesunkenen Verbrauch während der Wirtschaftskrise verweisen. Die Grafik zeigt aber etwas Beunruhigendes: Die Förderung wird offenbar nicht mehr leicht über das Niveau von 2003-2007 steigen, sondern sogar bald steil absinken. Nur wenn "noch nicht entwickelte Felder" bereits jetzt die Arbeit aufnehmen, können wir grob das heutige, leicht abgesunkene Niveau stabil halten - und das nur bis etwa 2015. Dann müssen "noch nicht gefundene Felder" hinzukommen. Sonst haben wir circa eine Generation später vielleicht nur die Hälfte der heutigen Produktion.

Für die Energy Watch Group aus Berlin, die auch seit Jahren vor Peak Oil warnt, gehen klare Handlungsempfehlungen aus der IEA-Studie hervor: "Sogar eine Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien ist innerhalb weniger Jahrzehnte möglich und insgesamt kostengünstiger als der weitere Verbrauch von Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran."

Recht haben sie – allerdings lehnen sich manche Befürworter der erneuerbaren Energien zu weit aus dem Fenster, wenn sie (wie die EWG) andeuten, die Erneuerbaren könnten das Erdöl ersetzen. Richtig ist, dass alle erneuerbaren Strom erzeugen, keinen flüssigen Treibstoff, bis auf die Biomasse, und es darf bezweifelt werden, dass so viel Biotreibstoff nachhaltig produziert werden kann, wie wir jetzt Erdöl verbrauchen. Auch die Atomkraft stellt deswegen keinen Ersatz dar. Es gab einfach keinen Ersatz für Öl als Treibstoff.

Das heißt, dass wir bald mit weniger Heizöl auskommen müssen, aber das geht ja - besser isolierte Gebäude, passive Wärme, Pelletöfen u.ä., und schließlich zur Not Elektroheizungen. Wärme ist nicht das Problem. Aber die Elektromobilität wird anders aussehen als unsere heutigen Autos, die quasi eine unbegrenzte Reichweite haben und innerhalb weniger Minuten vollgetankt werden können. Eine Fahrt von Berlin aus an die Atlantikküste bei Bordeaux mit Zelt und Familie im Kombi wird zunehmend schwierig.

Noch schwieriger wird die Schifffahrt. Und fast unmöglich der Luftverkehr. Dort sind keine Alternativen zum flüssigen, fossilen Treibstoff in Sicht. Machen Sie sich also auf stark steigende Ölpreise zu Ihren Lebzeiten gefasst.

Quelle:
Craig Morris 2010
Petite Planète 2010
http://www.sonnenseite.com/

Freitag, 12. November 2010

Internationale Energieagentur bestätigt Warnung der Energy Watch Group

  • Höhepunkt „Peak Oil“ der konventionellen Erdölförderung in 2006 
  • IEA-Annahmen über die künftige Gesamtförderung unrealistisch
  • Schneller Ausbau der Erneuerbaren sichert Versorgung günstiger
Schon vor drei Jahren hatte die Energy Watch Group (EWG) den Höhepunkt der weltweiten Förderung konventionellen Erdöls auf das Jahr 2006 datiert. Die Internationale Energieagentur (IEA) stimmt dieser Feststellung in ihrem heute in Berlin vorgestellten „World Energy Outlook 2010“ erstmals ausdrücklich zu und erklärt, dass die Fördermenge konventionellen Erdöls nie wieder das Niveau von 2006 erreichen wird. In der Internationalen Energieagentur haben sich 28 OECD-Länder zusammengeschlossen, um die Regierungsinteressen der größten „westlichen“ Energieverbraucherländer zu vertreten.

Die Wissenschaftler der Energy Watch Group erläuterten schon im Jahr 2007 in einer umfassenden Studie, warum „nach dem Erreichen dieses Förderhöhepunkts sich die jährliche Fördermenge konventionellen Erdöls innerhalb von zwanzig Jahren bis 2030 mit hoher Wahrscheinlichkeit halbieren“ wird. Schon in den vergangenen Jahren hatte die IEA ihre Prognosen über die weltweite Erdölförderung jedes Jahr nach unten
korrigiert und nähert sich damit den Analysen der Energy Watch Group.

Im Gegensatz zur Energy Watch Group skizziert die IEA jedoch noch immer viel zu optimistische Erwartungen beim Ausbau der Förderung aus konventionellen und unkonventionellen Ölressourcen: „Führende Vertreter der IEA erklären regelmäßig, dass ‚mehrere neue „Saudi Arabien‘ erschlossen werden müssten, um allein die aktuelle Ölfördermenge zu halten. Dies wäre auch Voraussetzung für das aktuelle Szenario. Diese Ölfelder existieren aber nicht. Es lässt sich aber nur Erdöl fördern, das man finden kann“, erklärt Thomas Seltmann, Projektmanager der Energy Watch Group.

Darüber hinaus trifft die IEA noch immer unrealistische Annahmen über die möglichen Fördermengen aus sogenannte „unkonventionellen“ Ölquellen: Erdgaskondensate und Teersande – zwei Ersatzprodukte für herkömmliches Rohöl, die sehr aufwändig und umweltbelastend gefördert werden (Teersande) oder in viel geringerem Umfang verfügbar sind. „Mit der bekannten Erdölförderung an Land und im Meer ist deren Erschließung überhaupt nicht vergleichbar“, schränkt Seltmann ein. Dennoch suggeriert die IEA noch immer, die Erdölversorgung ließe sich dem Bedarf entsprechend weiter steigern.

Dem unbegründeten Optimismus beim Erdöl steht ein ebenso unbegründeter Pessimismus beim Ausbau erneuerbarer Energien gegenüber. So liegen die von der IEA skizzierten Ausbauraten unter den aktuellen Wachstumsraten der Erneuerbaren. Seltmann: „ Wir empfehlen den Regierungen dringend, den Ausbau erneuerbarer Energien ehrgeizig zu beschleunigen, um den absehbaren Verknappungen und Preissprüngen bei fossilen Energien zu begegnen. Ein schnellerer Ausbau erneuerbarer Energien ist insgesamt kostengünstiger als ein langsamer Ausbau. Sogar eine Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien ist innerhalb weniger Jahrzehnte möglich und insgesamt kostengünstiger als der weitere Verbrauch von Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran.“


Quelle: http://www.energywatchgroup.org/Mitteilungen.26.0.html

Freitag, 15. Oktober 2010

EN plus: Neuer Qualitätsstandard für Pellets

Im Frühjahr 2011 wird in Österreich ein neuer Qualitätsstandard für Pellets eingeführt. An die Steller der ÖNORM M7135 tritt das Qualitätszertifikat „EN plus“. Die Vorteile des neuen Systems: Bei „EN plus“ Pellets kann der Kunde auf eine lückenlose Qualitätssicherung von der Produktion bis in sein Pelletlager bauen. Das bedeutet einen störungsfreien und umweltfreundlichen Betrieb der Pelletheizung mit erstklassigem Qualitätsbrennstoff.

Das Qualitätszertifikat EN plus basiert auf der neuen europäischen Norm EN 14961-2 für Holzpellets. EN plus wurde gemeinsam von proPellets Austria und dem Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband erarbeitet. Es soll in ganz Europa für ein einheitlich hohes Qualitätsniveau bei Pellets sorgen. Lizenzinhaber für das neue Zertifikat wird der Dachverband der Europäischen Pelletwirtschaft, das European Pellet Council, sein. Die Zertifizierung selbst erfolgt durch akkreditierte Prüf- und Zertifizierungsstellen.

Eine wesentliche Neuerung, die mit EN plus kommt ist, dass nicht nur Pelletproduzenten von unabhängigen Sachverständigen periodisch (und unangekündigt) überprüft werden, sondern dass auch der Handel in die Zertifizierung mit eingebunden ist. Das ist wichtig, weil auch qualitativ einwandfreie Pellets durch nicht sachgemäße Lagerung oder Manipulation Schaden nehmen können. Handelsunternehmen, die EN plus Pellets verkaufen wollen, müssen deshalb in Zukunft auch strikten Qualitätskriterien entsprechen, die von der Dokumentation über die Lagerung bis zu den Lieferfahrzeugen reichen.

Eine weitere Neuerung ist, dass es in Zukunft 3 Qualitätsklassen von Pellets geben wird:

  • Die Klasse A1 bezeichnet Premium Pellets höchster Qualität mit einem Aschegehalt unter 0,7 %.
  • Die Klasse A2 unterscheidet sich von A1 in erster Linie durch einen höheren Aschegehalt, der durch die Verwendung von Laubholz oder Rindenanteilen im Rohstoff zustande kommen kann. A2 Pellets können auch von robusten Pelletkesseln für Einfamilienhäuser verbrannt werden. In der Regel werden sie aber bei Pelletkesseln größerer Leistung für Wohnhausanlagen, Hotels oder anderen gewerblichen Nutzern zum Einsatz kommen.
  • Die Klasse B bezeichnet Pellets, die sich nur für den industriellen Einsatz, also zum Beispiel in Kraftwerken eignen. Der Ascheanteil kann – bedingt durch einen hohen Rindenteil bis zu 3 % betragen.
Quelle: http://www.propellets.at/

Energie-Wirtschaft sieht schwarz: "Österreich bald ohne Strom?"

Energieversorger und Netzbetreiber warnen vor Österreichs "stromloser Zukunft", das "Höllentempo" des Umstieges komme einer Energie-Revolution gleich. Vor allem der Ausbau der Erneuerbaren Energien bringt die Branche in Turbulenzen.

Es gehört zum guten Ton der Elektrizitäts-Industrie, vor dem Kollaps zu warnen. Doch die Ausführungen der Branche werden zunehmend krasser in der Wortwahl: So geschehen zuletzt bei der Pressekonferenz in Wien anlässlich der Salzburger Fachtagung "Stromlos in die Zukunft". Gunter Kappacher, Vorstand der Siemens AG und Präsident der veranstaltenden Österreichischen Gesellschaft für Energietechnik (OGE): Man befinde sich in einer Revolution, die Politik fordere den Umstieg in einem Höllentempo, das, wenn es so weiterginge, unweigerlich zu einer stromlosen Zukunft Österreichs führe, erklärte der Energie-Manager.

Heinz Kaupa, Vorstandsdirektor der Verbund Austrian Power Grid AG, verwies auf die immens schwierigen Ausbaubedingungen für elektrische Netze, vor denen man (nicht nur) in Österreich stehe: Einerseits gebe es die UVP, andererseits eine Parallelwelt von Umweltschützern, die auch nach erfolgter UVP Projekte zu Fall brächten.

Die Branche ist verunsichert: Windkraft und Photovoltaik wird in einem Ausmaß vom (subventionierten) Markt angenommen, der von ihr nicht vorgesehen worden war. Nun müht man sich mit veralteten Netzen, die den schnell wechselnden Wind-Bedingungen nicht mehr Herr werden. Auf Fragen nach Dezentralität wurde eher mit einer Art Abwartestrategie gekontert - zuviele Unsicherheitsfaktoren seien im Spiel.

Ganz sicher aber sei, dass bei der derzeitigen Ausbaugeschwindigkeit der Netze - insbesondere der notwendigen Hochleistungsnetze zwischen Nordsee und Südeuropa - die Stromversorgung in den kommenden Jahren nicht mehr gewährleistet werden können. Fünf Stunden Stromlosigkeit seien dann in Österreich keine Seltenheit mehr - mit Verlusten für die Stromkonzerne von 40-50 Millionen Euro pro Stunde, wie eine Studie ausgerechnet haben will. Eine der Folgen, so Heinz Kaupa, sei sicherlich, dass der forcierte Ausbau der Erneuerbaren Energien gestoppt werden wird - weil man den Strom einfach nirgendwo speichern kann und auch die Netze nicht mehr ausreichen.
 
Quelle: http://www.energie-bau.at/kommunal

Montag, 11. Oktober 2010

"Pellet-Markt verzehnfacht sich"

Christian Rakos, Chef des Vereins zur Förderung der Verarbeitung von Pelletsheizungen, prophezeit Holz als Energieträger ein jährliches Marktwachstum von über 20 Prozent.

Biomasse ist zum Modewort der Energiepolitik geworden. Welche Bedeutung hat diese für die Energieversorgung tatsächlich?
Christian Rakos: In Österreich werden bereits 15 Prozent des gesamten Energiebedarfs aus Biomasse gedeckt. Da wir derzeit nur rund ein Drittel des jährlichen nachwachsenden Holzes im Wald nutzen, gibt es hier noch erhebliche Steigerungsmöglichkeiten. Dazu kommt das ungenutzte Potenzial aus der Produktion schnellwachsenden Baumarten auf Argrarflächen sowie die Nutzung von landwirtschaftlicher Rohstoffe. Auch weltweit nimmt die Bedeutung der Biomasse rasant zu, wir erhalten täglich Anfragen aus der ganzen Welt, die sich für österreichische Technologien und Erfahrungen bei der Pelletnutzung interessieren.

Die Nachfrage nach Energieträgern wie Öl oder Gas ist während der Finanzkrise teils stark zurückgegangen - wie hat sich der Holzmarkt geschlagen? Die Nachfrage nach Bauholz ist stark zurückgegangen, die Nachfrage nach Holz als Energieträger hingegen nicht. Die Preise sind praktisch unverändert geblieben, was deutlich macht, wie stabil der Markt ist. Auch im letzten Jahr, in dem die Ölpreise wieder kräftig gestiegen sind, blieb der Pelletpreis unverändert niedrig.

Welche Rolle kann Holz als Energieträger künftig spielen? Seine größten Stärken hat Holz als Energieträger am Wärmemarkt. Moderne Holzheizungen sind höchst effizient und komfortabel und weisen auch sehr niedrige Emissionen auf. Deshalb glaube ich, dass hier das größte Wachstumspotenzial liegt. Vor allem der Ersatz veralteter Ölheizungen ist heute wirtschaftlich sehr attraktiv.

Von welchen Wachstumsraten gehen Sie aus?
Auf europäischer Ebene erwarten wir eine Verzehnfachung des Pellet-Markts bis zum Jahr 2020, das entspricht einer Wachstumsrate von 20 bis 25 Prozent pro Jahr.

Wird das Holzangebot mit der Nachfrage mithalten können?
Ja. Man muss aber davon ausgehen, dass Länder mit wenig Wald erhebliche Mengen
Holz importieren werden müssen. Die Lösung sind schnellwachsende Holzarten wie Pappeln oder Weiden, die enorm ertragreich sein können. Ein großer Anteil der Rohstoffe für das Marktwachstum wird aus solchen Kulturen kommen.

Werden die Preise auch künftig stabil bleiben?
Ich gehe von einer sehr stabilen Preisentwicklung aus, weil ein erheblicher Teil der Nachfrage von Kraftwerken kommen wird und diese nur Preise zahlen können, die mit den Einspeisetarifen kompatibel sind.

Woher soll das Holz kommen, das den Energiehunger befriedigen wird?
Aus österreichischer Perspektive ist Osteuropa besonders interessant - hier gibt es enorme Flächenreserven. Für Länder an der Atlantikküste sind derzeit Kanada und die USA, wo es sehr große zum Teil noch ungenutzte Waldflächen gibt, interessant. Aber auch rasch wachsende Baumplantagen in Südamerika haben ein großes Potenzial.

Welche Rolle kann Holz bei der Erzeugung von Biotreibstoffen spielen, und ist diese Anwendung überhaupt sinnvoll?
Die Umwandlung von Holz in Treibstoff ist sehr energieaufwändig - deshalb halte ich diese für nicht sinnvoll. Es ist viel einfacher und kostengünstiger, mit Pellets Heizöl zu ersetzen. Dieses als Dieseltreibstoff zu verwenden ist deutlich sinnvoller, als Holz in Diesel umzuwandeln und im Keller weiterhin mit Öl zu heizen.

Wer garantiert die nachhaltige Gewinnung von Holz, und wie verhindert man die Abholzung von Primärwäldern zur Energieerzeugung?
Damit es zu keinem Raubbau am Regenwald kommt, sind wir schon jetzt dabei, auf europäischer Ebene eine strikte Nachhaltigkeitszertifizierung einzuführen. Das neue Pelletsqualitätssiegel "EN plus", das wir kommendes Jahr auch in Österreich einführen werden, wird bereits eine Bestimmung enthalten, wonach in Zukunft jeder Pelletproduzent nachweisen muss, dass sein Rohstoff aus nachhaltig bewirtschafteten Waldflächen kommt. Auch für Baumplantagen werden wir Nachhaltigkeitskriterien entwickeln, die neben Umweltaspekten auch soziale Aspekte beinhalten werden.


Quelle: propellets Austria

Freitag, 8. Oktober 2010

Ökostrom zum Teil nur auf dem Papier "grün"

Durch Kauf von Zertifikaten waschen viele Versorger "schmutzigen" Strom rein
Durch Kauf von Zertifikaten waschen viele Versorger "schmutzigen" Strom rein. Zu diesem Schluss kommt die Umweltorganisation Greenpeace, die sich die Angaben der Versorger näher angesehen hat. Diese dementieren.

Wien - Aus Österreichs Steckdosen kommt mehr Atomstrom als gemeinhin vermutet wird. Das deshalb, weil viele Energieversorger auf Stromimporte angewiesen sind, um ihre Kunden mit elektrischer Energie zu versorgen. Da Strom kein Mascherl hat, gelangt auf dem Importweg auch Kernenergie nach Österreich. Das wird von den Versorgern auch nicht bestritten. Die Umweltorganisation Greenpeace vermutet aber, dass weit mehr Atomstrom in Österreichs Leitungen fließt als von den Versorgern ausgewiesen wird.

"Da ist Etikettenschwindel in großem Stil im Gang", sagte der Energiespezialist von Greenpeace, Jurrien Westerhof, dem Standard. Berechnungen zufolge stammten im Durchschnitt etwa 14 Prozent des in Österreich verbrauchten Stroms aus ausländischen Kernkraftwerken, 39 Prozent aus fossilen Quellen (Kohle, Gas), knapp 47 Prozent aus erneuerbaren Quellen (siehe Grafik).

In der Regulierungsbehörde E-Control geht man davon aus, dass etwa sechs Prozent des in Österreich in öffentliche Netze eingespeisten Stroms aus ausländischen AKWs stammt. Abgeleitet wird das vom Strommix im europäischen Netzverbund UCTE. Als Faustregel gelte, dass knapp ein Drittel davon auf Atomstrom entfällt, sagte Christian Schönbauer von der E-Control. Damit kann auf die Atomstromanteile der einzelnen Unternehmen geschlossen werden, sofern diese konventionellen, nichtzertifizierten Strom importieren.

Zertifikatehandel
Gewisse Zertifikate sind Greenpeace und Konsumentenschützern ein Dorn im Auge - nicht nur in Österreich. Greenpeace ist bei den Berechnungen davon ausgegangen, dass der nicht deklarierte Anteil der Strombezüge über Börsen oder kurzfristige Lieferverträge bezogen wird und dass die Herkunft des Stroms nicht bekannt ist. Für diesen nicht deklarierten Anteil wurde der europäische Durchschnittsstrommix (UCTE) herangezogen. Dabei zeige sich, dass alle neun Landesenergieversorger Atomstrom in ihrem Strommix haben - variierend von rund acht Prozent bei Wienstrom bis 28 Prozent bei der steirischen Energiegesellschaft Steweag-Steg. "Letzteres Unternehmen wollte überhaupt keine Angaben zur Herkunft des Stroms machen, deshalb haben wir die gesamte Stromaufbringung als UTCE-Mix unterstellt", sagte Westerhof.

Dass die diversen Unternehmen bei der Stromkennzeichnung null Atomenergie ausweisen, habe mit einem legalen, wenn auch fragwürdigen Trick zu tun. "Ein Stromversorger kauft zum Beispiel beim tschechischen Temelín-Betreiber ÈEZ eine bestimmte Menge Strom. Gleichzeitig besorgt er sich etwa bei einem schwedischen Kraftwerksbetreiber billige Wasserkraftzertifikate - und zwar genauso viel, wie er braucht, um die Menge tschechischen Atomstroms zu Wasserkraft umetikettieren zu können", sagte Westerhof. Tatsächlich werde kein Strom in Schweden gekauft, sondern nur das Zertifikat (siehe Wissen). Damit könne man Kunden weismachen, dass sie mit sauberem Strom beliefert werden.

Schlupflöcher schließen
"Für die EVN kann ich ausschließen, dass wir das machen", sagte ein Unternehmenssprecher. "Wir haben keine RECS-Zertifikate (Renewable Energy Certificate System; Anm.) gekauft und haben auch seit Jahren keinen Atomstrom im Portfolio. Es gibt aber Schlupflöcher in Österreich, die sollte man schließen."

Der Kärntner Energieversorger Kelag ist neben der Tiroler Tiwag der einzige, der von sich aus Atomstrom ausweist. "Wir haben den UCTE-Mix angeführt, weil wir nicht den gesamten Strom, den wir benötigen, selbst erzeugen können", sagte Vorstand Hermann Egger. "An RECS nehmen wir nicht teil, weil wir dafür nicht zertifiziert sind."

Quelle: STANDARD, von Günther Strobl

Dienstag, 5. Oktober 2010

EU Waldanteil 40%

Erstmals exakte Zahlen veröffentlicht

Wälder bedecken fast 40% der EU, Ackerflächen ein Viertel und Grünland ein weiteres Fünftel. Künstlich angelegte, nicht bebaute Flächen, zum Beispiel Straßen und Eisenbahnstrecken machen nur 4% der Fläche aus – diese Ergebnisse brachte eine erstmals veröffentlichte Stichprobenerhebung von Eurostat.

Über die größten Waldflächen verfügt Finnland mit 68% der Landesfläche, gefolgt von Schweden (66%). Auch in Slowenien (63%), Estland (55%) und Lettland (52%) ist mehr als die Hälfte der Landesfläche von Wald bedeckt. Die kleinsten Waldflächen besitzen Irland und die Niederlande mit nur 12%. Österreich liegt mit einem Waldanteil von 47% an sechster Stelle.

Quelle: Robert Kittel (Timber Online)

Donnerstag, 23. September 2010

Pellets bekommen europaweite Qualitätsnormen

Die europäische Pelletindustrie wird demnächst über einheitliche europäische Qualitätsnormen für ihre Produkte verfügen. Bis 2020 wird eine Verzehnfachung des Bedarfs in Europa erwartet.

Wie der Chef des Dachverbands "European Pellets Council", der Österreicher Christian Rakos, am Mittwoch sagte, steht das neue Zertifizierungssystem mit dem Namen "EN Plus" vor der Einführung. Es soll im nächsten Jahr in zahlreichen Ländern erhältlich sein und neben Qualitäts- auch Nachhaltigkeitskriterien ausweisen, etwa die Zertifizierung des Waldes und faire Handelsbedingungen.

Kohlekraftwerke mit Pellets befeuert
Rakos erwartet, dass sich der Pelletbedarf in Europa von derzeit geschätzten 10 Millionen Tonnen auf 100 Millionen Tonnen im Jahr 2020 erhöht. Derzeit steige vor allem die Nachfrage am Strommarkt, so würden Belgien, die Niederlande und Großbritannien Kohlekraftwerke mit Pellets befeuern. Mit der zu erwartenden Verteuerung von Öl werde aber auch der Wärmemarkt nachziehen, der für Österreich wichtiger ist, sagte Rakos.

Österreich in der Spitze
Mit einer Wachstumsrate von 30 Prozent liegt Österreich nach Angaben des nationalen Verbands "proPellets Austria" an der Spitze hinter Deutschland und Italien. Der Pellets-Verbrauch pro Kopf ist demnach in Österreich hinter Schweden der höchste. Auch bei Pelletkesseln habe Österreich weltweit Technologieführerschaft, 70 Prozent gehen nach Angaben von Rakos in den Export.

Kritik an träger Politik
Dennoch werde der Bereich Öko-Wärme von der Politik in Österreich und vielen anderen Ländern "stiefmütterlich" behandelt, kritisierte der Geschäftsführer von "proPellets Austria". Förderungen gebe es in Österreich dafür zur Zeit nur auf Länderebene, aus budgetären Gründen würden diese zurückgefahren, sagte Rakos. Der Marktanteil von Pellets-Heizungen stagniere in Österreich bei etwa 10 Prozent, dabei gebe es mit etwa 400.000 Ölheizungen, die älter als 15 Jahre sind, ein gigantisches Marktpotenzial. Generell fehle im Wirtschaftsministerium ein offensiver Zugang bei erneuerbarer Wärmeenergie, Probleme gebe es auch bei gewerblichen Genehmigungen, so Rakos.

Montag, 20. September 2010

Rohstoffknappheit

Bundeswehr-Studie warnt vor dramatischer Ölkrise

Märkte versagen, Demokratien wanken, Deutschland verliert global an Macht: In einer Studie hat ein Think Tank der Bundeswehr analysiert, wie die sinkende Ölförderung die Weltwirtschaft verändert. Das interne Dokument zeigt erstmals, wie sehr eine drohende Energiekrise die Militärs sorgt.

Hamburg - Unter Peak Oil verstehen Energieexperten jenen Zeitpunkt, zu dem der globale Ölvorrat allmählich zurückgeht und die Förderung ihren Zenit überschreitet. Eine dauerhafte Versorgungskrise droht - und allein die Angst davor kann Turbulenzen an Rohstoffmärkten und Börsen auslösen.

Das Thema ist politisch so brisant, dass es schon bemerkenswert ist, wenn eine Institution wie die Bundeswehr den Begriff Peak Oil öffentlich verwendet. Doch eine Bundeswehr-Studie, die in verschiedenen Blogs kursiert, geht noch viel weiter.

Das Dezernat Zukunftsanalyse - ein Think Tank, der zum Zentrum für Transformation der Bundeswehr gehört - hat erstmals die sicherheitspolitische Dimension des Peak-Oil-Problems analysiert. Die Autoren um Dezernatsleiter Thomas Will schildern die Folgen einer unumkehrbaren Rohstoffverknappung in teilweise dramatischen Worten. Sie warnen vor Verschiebungen des globalen Machtgleichgewichts, vor neuen "Abhängigkeitsverhältnissen", vor einem Bedeutungsverlust westlicher Industrienationen, vor einem "Komplettversagen der Märkte", vor schweren politischen und wirtschaftlichen Krisen.

Die Studie, deren Echtheit SPIEGEL ONLINE aus Regierungskreisen bestätigt wurde, war nicht zur Veröffentlichung gedacht. Es handle sich um einen Entwurf, heißt es. Um ein rein wissenschaftliches Gutachten, das noch nicht vom Verteidigungsministerium und von anderen Gremien der Regierung redigiert worden sei.
Studien-Hauptautor Will wollte sich zu den Ergebnissen auf Anfrage nicht äußern. Es darf aber bezweifelt werden, dass Bundeswehr oder Regierung den Bericht des Dezernats Zukunftsanalyse in seiner bestehenden Form zur Veröffentlichung freigegeben hätten. So zeigt die Studie doch, wie stark das Thema Peak Oil die deutsche Regierung schon jetzt beschäftigt.

Parallele zu Aktivitäten in Großbritannien
Der Vorfall weist eine Parallele zu einem Vorfall in Großbritannien auf. Erst in der vergangenen Woche hatte der "Guardian" darüber berichtet, dass das britische Department of Energy and Climate Change (DECC) Dokumente unter Verschluss halte, wonach sich Großbritanniens Regierung weit größere Sorgen über eine künftige Versorgungskrise macht, als sie zugeben will.

Demnach arbeiten das DECC, die Bank of England, das britische Verteidigungsministerium und Vertreter der Industrie an einem Krisenplan, der sich mit den Folgen möglicher Versorgungsengpässe beschäftigt. Anfragen des sogenannten Peak Oil Workshops an Energieexperten liegen SPIEGEL ONLINE vor. Eine DECC-Sprecherin bemühte sich, den Vorgang herunterzuspielen. Die Anfragen seien "Routine", sagte sie dem "Guardian"; sie hätten keine politischen Implikationen.

Auch die Studie der Bundeswehr dürfte keine unmittelbaren politischen Folgen haben. Sie zeigt aber, dass die Regierung befürchtet, dass Versorgungsengpässe rasch auftreten können.

So schreibt das Dezernat Zukunftsanalyse, es gebe "eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der Peak Oil bereits um das Jahr 2010 zu verorten ist und sicherheitspolitische Auswirkungen mit einer Verzögerung von 15 bis 30 Jahren erwartet werden können". Die Bundeswehrvorhersage deckt sich mit den Prognosen namhafter Wissenschaftler, die davon ausgehen, dass die weltweite Ölförderung ihren Zenit entweder schon überschritten hat oder im laufenden Jahr überschreitet.

Marktversagen und globale Kettenreaktion
Die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Peak Oil wurden für Deutschland nun erstmals umfassend untersucht. Der Erdölexperte Steffen Bukold hat die Ergebnisse der Bundeswehr-Studie ausgewertet und zusammengefasst. Die zentralen Erkenntnisse im Überblick:

Machtfaktor Öl: Wie das Dezernat Zukunftsanalyse schreibt, wird Öl zu einem entscheidenden Faktor in der Neugestaltung der internationalen Beziehungen. "Die relative Bedeutung der Förderländer im internationalen System wächst. Diese nutzen die entstandenen Vorteile, um ihre innen- und außenpolitischen Gestaltungsräume auszubauen und sich als neue oder wieder erstarkende regionale, gegebenenfalls sogar globale Führungsmächte zu etablieren."

Bedeutungsgewinn der Ölexporteure: Für Ölimporteure bedeute eine verstärkte Konkurrenz um Ressourcen gleichzeitig verstärkte Konkurrenz um die Gunst der Förderländer. Letzteren eröffne sich damit ein "Window of Opportunity", das sie zur Durchsetzung politischer, wirtschaftlicher oder ideologischer Ziele nutzen können. Da dieses Zeitfenster nur für einen begrenzten Zeitraum offenstehe, "könnte es zu einer offensiveren Durchsetzung eigener Interessen seitens der Förderländer kommen".

 Politik statt Markt: Das Dezernat Zukunftsanalyse erwartet als Folge eines Versorgungsengpasses, dass die Liberalisierung des Energiemarkts zurückgedreht wird. "Der Anteil des auf dem globalen, frei zugänglichen Ölmarkt gehandelten Erdöls wird zugunsten des über binationale Kontrakte gehandelten Öls abnehmen", heißt es in der Studie. Der globale Ölmarkt werde langfristig nur eingeschränkt den freien marktwirtschaftlichen Gesetzen folgen können. "Bilaterale, konditionierte Lieferbeziehungen und privilegierte Partnerschaften treten, wie bereits vor den Ölkrisen der siebziger Jahre, wieder in den Vordergrund."

Marktversagen: Die Autoren malen ein düsteres Bild von den Folgen einer Erdölknappheit. Da der Gütertransport vom Erdöl abhängt, drohe der Handel sich drastisch zu verteuern. In der Folge "können Engpässe bei der Versorgung mit existentiell wichtigen Gütern auftreten", etwa bei der Nahrungsmittelversorgung. Da Erdöl direkt oder indirekt zur Produktion von 95 Prozent aller Industriegüter benötigt wird, drohten Preisschocks in so gut wie allen Bereichen der Industrie und auf fast allen Stufen industrieller Wertschöpfungsketten. "Mittelfristig bricht das globale Wirtschaftssystem und jede marktwirtschaftlich organisierte Volkswirtschaft zusammen."

Rückfall in die Planwirtschaft: Da so gut wie alle Wirtschaftsbranchen stark vom Erdöl abhängen, könne der Peak Oil zu einem "Teil- oder Komplettversagen von Märkten führen", heißt es in der Studie. "Eine vorstellbare Alternative wäre, dass staatliche Rationierungen und die Zuteilung wichtiger Güter oder auch die Aufstellung von Produktionsplänen und andere Zwangsmaßnahmen kurzfristig marktwirtschaftliche Mechanismen in Krisenzeiten ersetzen."

Globale Kettenreaktion: "Eine Umstellung der Ölversorgung wird bis zum Eintritt des Peak Oil nicht in allen Weltregionen gleichermaßen möglich sein", heißt es in der Studie. "Es ist wahrscheinlich, dass eine hohe Anzahl von Staaten nicht in der Lage ist, die notwendigen Investitionen rechtzeitig und in ausreichender Höhe zu leisten." Käme es aber in einigen Regionen der Welt zum wirtschaftlichen Crash, wäre auch Deutschland betroffen. Die Bundesrepublik könne sich aufgrund ihrer engen Einbindung in weltwirtschaftliche Zusammenhänge nicht von der Krise anderer Staaten abkoppeln.

Politische Legitimationskrise: Das Dezernat Zukunftsanalyse sorgt sich außerdem um den Fortbestand der Demokratie. Teile der Bevölkerung könnten die vom Peak Oil angestoßenen Umwälzungen "als allgemeine Systemkrise" begreifen. Das schaffe "Raum für ideologische und extremistische Alternativen zu jeweils bestehenden Staatsformen". Eine Fragmentierung der betroffenen Bevölkerungsschichten sei wahrscheinlich und könne "im Extremfall zu offenen Konflikten führen".

Brisante Empfehlungen an die deutsche Regierung
Schon die Szenarien, die das Dezernat Zukunftsanalyse beschreibt, sind drastisch. Politisch noch wesentlich brisanter sind die Empfehlungen an die Regierung, die die Energieexperten aus ihren Szenarien ableiten. So vermuten sie, dass "ölimportabhängige Staaten in ihrer Außenpolitik zu mehr Pragmatismus gegenüber Ölanbietern" gezwungen sein dürften. Politik werde sich ein Stück weit dem Primat der Versorgungssicherheit unterordnen müssen.

Für Deutschland bedeute das konkret: eine nachgiebige Haltung gegenüber den außenpolitischen Zielen Russlands - und mehr Zurückhaltung in der Israel-Politik, um arabische Partner nicht zu verprellen.
Vor allem das Verhältnis zu Russland sei wesentlich für die Ausrichtung der deutschen Öl- und Gasversorgung, heißt es in der Studie. "Für Deutschland ist dies mit einem Balanceakt zwischen stabilen und privilegierten Beziehungen zu Russland und den Befindlichkeiten seiner östlichen Nachbarstaaten verbunden." Heißt: Um die eigene Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sollte Deutschland gegenüber den außenpolitischen Zielen Moskaus nachgiebig sein und im Gegenzug eine Belastung des Verhältnisses zu Polen und Co. zu riskieren.

Auch für die deutsche Nahost-Politik hätte der Peak Oil nach Ansicht der Studienautoren erhebliche Folgen. "Eine durch das Ziel der Versorgungssicherheit motivierte Neujustierung deutscher Nahost-Politik zugunsten intensiverer Beziehungen mit Förderländern, wie Iran und Saudi-Arabien mit den größten konventionellen Erdölreserven der Region, dürfte die deutsch-israelischen Beziehungen je nach Intensität des Politikwechsels entsprechend belasten."

Quelle: SPIEGEL ONLINE, von Stefan Schultz

Donnerstag, 16. September 2010

Ambitioniertes Förderprogramm in England setzt Maßstäbe

England könnte, wenn die bestehenden politischen Pläne umgesetzt werden, Maßstäbe für die Wärmeversorgung mit erneuerbarer Energie setzen. Wie am 10. Industrieforum Pellets in Stuttgart bekannt wurde, plant das Vereinigte Königreich eine Verzehnfachung des Einsatzes erneuerbarer Wärme bis zum Jahr 2020. Der Löwenanteil des Wachstums, so die Pläne soll bei Biomasseheizkesseln stattfinden. Zu diesem Zweck ist vorgesehen, eine Renewable Heating Incentive in Kraft zu setzen, die „Einspeisetarife“ für erneuerbare Wärme vorsieht. Dem Programm zufolge sollte Heizkesseln unter 45 kW eine Förderung von 11 cent/kWh erzeugter erneuerbarer Wärme garantiert werden. Für Heizkessel zwischen 45 und 500 kW sollte der Einspeisetarif 7,8 cent/kWh betragen. Mit dieser Maßnahme würde der Umstieg auf biogene Energieträger und andere Quellen erneuerbarer Energie wie z.B. Solarthermie äußerst attraktiv werden. Geht es nach den Plänen der englischen Regierung, sollte in England bis 2020 ein Markt von bis zu 9 Millionen Tonnen Pellets entstehen. Eine politische Entscheidung für die Umsetzung der Renewable Heat Incentive wird bereits für Ende Oktober 2010 erwartet. Finanziert werden soll das neue Förderinstrument durch eine Abgabe auf fossile Energieträger.

Montag, 13. September 2010

„In 20 Jahren droht uns eine Versorgungslücke beim Gas“

Über das Ende des fossilen Zeitalters wird viel diskutiert. Wann es kommt und vor allem was danach kommt, sind die Fragen, auf die es nicht nur eine Antwort gibt. Dass die Förderung von Erdöl ihr Limit erreicht hat, ist eine Tatsache. Aber wie sieht es mit anderen endlichen Ressourcen aus – zum Beispiel Erdgas? Die Energy Watch Group arbeitet derzeit an einer Studie zu dieser Frage. Der Projektmanager Thomas Seltmann gibt uns einen Ausblick auf die Ergebnisse und seine ganz persönliche Einschätzung zum Erdgas.


Herr Seltmann vom „Peak Oil“, also dem Förderhöhepunkt beim Erdöl, dürfte mittlerweile jeder schon einmal etwas gehört haben. Im Unterschied dazu wird die begrenzte Verfügbarkeit von Erdgas kaum thematisiert. Woran liegt das?
Es gilt das Gleiche wie beim Erdöl: Anbieter sprechen nicht gern über Knappheiten, weil die Kunden sonst noch schneller weglaufen, als sie es aus anderen Gründen ohnehin tun. Erdgas spielt in Deutschland zwar eine wichtige Rolle beim Heizen und auch in der Stromerzeugung, in den Medien steht es aber im Schatten des Erdöls und des politischen Konfliktes zwischen Atomenergie und Erneuerbaren.

Was genau untersuchen Sie in Ihrer Erdgasstudie und warum?
Es gibt bisher keinen umfassenden Überblick über die Verfügbarkeit und den wahrscheinlichen künftigen Förderverlauf von Erdgas und das auch noch unabhängig von einzelnen wirtschaftlichen und politischen Interessen. Wir als Energy Watch Group betrachten die globale Situation. Der Erdgas-Peak liefert entscheidende Hinweise auf Konfliktpotenziale in der internationalen Gemeinschaft.

Öl ist der Rohstoff , aus dem Umweltkatastrophen gemacht sind, wie das sprudelnde Bohrloch im Golf von Mexiko beweist. Welche Risiken hat Gas?
Erst seit Kurzem berichten die Medien darüber, dass bei der Gewinnung von Öl und Gas große Mengen radioaktiver Abfälle entstehen. Besonders bei den neueren Fördermethoden von Erdgas wird mit giftigen und krebserregenden Chemiekalien gearbeitet, die Grundwasser und Boden verseuchen.Erdgas besteht zudem hauptsächlich aus Methan, das vielfach klimawirksamer ist als CO². Wie viel Erdgas bei Förderung und Transport in die Atmosphäre entweicht, darüber gibt es keine genauen Angaben. Erdgas ist also alles andere als ein umweltfreundlicher und klimaschonender Enegieträger, wie es die Werbung der Energiewirtschaft suggeriert.

Woher kommt das Gas, mit dem wir heizen, kochen und duschen?
In Europa stammt momentan ungefähr die Hälfte des Gases aus eigener Förderung, ein großer Teil davon aus Norwegen. Die andere Hälfte wird importiert, maßgeblich aus Russland. Deutschland ist mit 35% des Gasverbrauchs von Russland abhängig. Die Europäische Gaswirtschaft prognostiziert einen um 25% steigenden Bedarf in den nächsten 20 Jahren. Noch ist nicht klar, woher diese Menge kommen wird. Die europäische Gasförderung geht zurück. Die Gaswirtschaft selbst spricht von einer Versorgungslücke von einem Drittel des Bedarfs. Auch technisch gesehen ist offen, woher das Gas in 20 Jahren kommen wird.

Mit welchen Gaspreisen müssen wir in Zukunft rechnen?
Für die Verbraucher gab es schon in den letzten Jahren erhebliche Preissteigerungen- nicht aufgrund einer Verknappung beim Erdgas, sondern wegen der Preiskopplung mit dem Öl. Man kann sagen, durch die Verknappung beim Erdöl sind die Preise indirekt auch beim Erdgas gestiegen. Dennoch ist die Preisbildung beim Gas völlig anders als beim Öl. Es gibt eine untere Grenze sozusagen die Kosten für Förderungen, Transport und das, was der Anbieter verdienen will. Der obere Richtwert ist der Ölpreis. Heizen mit Erdgas darf nicht viel teurer sein als mit Heizöl, sonst steigen die Leute von Gas auf Öl um. Langfristig baut sich von verschiedenen Seiten großes Potenzial für Preissteigerungen auf. Zum Beispiel dadurch, dass von den großen Förderstätten, wie am Kaspischen Meer, gerade Leitungen in alle Richtungen gebaut werden. Am Ende wird der Abnehmer das Gas bekommen, der den höchsten Preis bezahlt oder den besten politischen Zugriff hat. Das spielt auch längst schon eine Rolle bei millitärstrategischen Überlegungen.

Wie gut sind Erdgasfelder bisher erschlossen?
Bei jeder Erschließung von Ressourcen werden zuerst die Felder ausgewählt, die eine große Menge Erdgas enthalten und die leicht und kostengünstig erschließbar sind. Schon wenn etwa die Hälfte des Rohstoffs gefördert wurde, sind die meisten günstig erschließbaren Vorkommen verbraucht. Das heißt, je weiter die Förderung voranschreitet, umso teurer wird es. Das Dramatische beim Erdgas ist, dass ungefähr 60% des Erdgases, das man heute noch in den Tiefen vermutet, sich auf nur drei Länder konzentriert:Russland, Quatar und Iran, wobei die beiden letztgenannten auf dasselbe Gasfeld zugreifen. Hinzu kommt, dass die in Russland noch nicht erschlossenen Gasreserven sehr abgelegen sind, etwa im Meer oder unter Permafrostböden, auf denen man nicht so einfach Förderstationen und Pipelines errichten kann. Hier muss man erst noch technische Probleme lösen und umfangreiche Infrastrukturen schaffen. Deshalb importiert Russland im Moment selbst lieber Gas aus den Nachbarländern, was zunächst einfacher und billiger ist.

Wann ist das Gas zu Ende?
Die starke Konzentration der verbleibenden Reserven in Russland und dem Nahen Osten bedeutet eine starke Abhängigkeit. Es ist nicht realistisch, davon auszugehen, wir könnten die Gasfördermengen einfach immer weiter steigern. Wenn man die Menge an verbleibenden Ressourcen nimmt, diese über die Zukunft verteilt und sich zusätzlich ein technisch und ökonomisch realistisches Förderprofil überlegt kommt man zu folgenden Schluss: Der Förderhöhepunkt beim Gas wird wahrscheinlich zwischen 2020 und 2025 überschritten! Den Peak genau zu bestimmen und Aussagen zu treffen, wie der Verlauf der Förderung danach sein könnte, wird ein zentrales Ergebnis unserer Erdgas-Studie sein.

Wie sieht die Erdgas-Zukunft für Endverbraucher aus?
Wenn unsere Szenarien einigermaßen stimmen, könnte Heizöl in einigen Jahren weitgehend unbezahlbar werden. Erdgas würde dann mit einigem Abstand folgen. Für beide Rohstoffe gibt es viel notwendigere Zwecke als sie zu verheizen: Die Industrie braucht sie als Rohstoff – Erdgas ist beispielsweise Ausgangstoff für die Herstellung von Agrardünger. Das ist eine Verwendung, die man nicht so einfach ersetzen kann und mit Sicherheit werden Chemieindustrie und Düngermittelhersteller bereit sein, den größten Preis zu bezahlen.

Was empfehlen Sie den Menschen?
Wir müssen uns noch schneller von diesen begrenzten Rohstoffen unabhängiger machen. Wir sollten nicht warten, bis die Knappheit eintritt. Jeder Euro, der in Einsparung, Energieeffizienz und erneuerbare Energien investiert wird, ist auch aus anderen Gründen sinnvoller angelegt als in den Verbrauch fossiler Energieträger. Das gilt ebenso für jeden einzelnen Hausbesitzer. Das Beste, was der Einzelne tun kann, ist , ein Gebäude durch Wärmedämmung und kontrollierte Belüftung auf minimalen Energieverbrauch zu bringen und den Rest in Form von Solarthermie, Holzpellets oder Holzöfen und Wärmepumpen zu decken.

Quelle: Sonderausgabe 2010/2011 pellets, Kathleen Spilok

Freitag, 10. September 2010

Der Stoff aus dem die Pellets sind

Nachhaltige Rohstoffe für saubere Pellets

Pelletsheizungen wurden für das umweltfreundliche Heizen mit einen nachwachsenden Brennstoff entwickelt. Der Holz-und Spänemarkt hat sich im Laufe der Zeit aber geändert. Ist die Versorgung mit Pellets auch in Zukunft gesichert? Und wie ökologisch sind Pellets heute und morgen?
Pelletsheizer brauchen sich keine Sorgen um ihren Brennstoffvorrat für den nächsten Winter zu machen. Die deutschen Pelletswerke produzieren mehr Pellets, als im Inland verbraucht werden. 2009 waren es insgesamt 1,6 Mio.t, davon verbrauchten Haushalte und Industrie 1,1 Mio.t im Inland. Die restlichen 500.000t gingen in den Export. Die Werke besitzen aber noch große Kapazitäten, um die Produktion aus zuweiten. Bis 2020 rechnen Energiefachleute mit einem achtmal höheren Bedarf an Pellets als heute. Doch wie schaffen es die Pelletserzeuger, solche gewaltigen Mengen herzustellen? Gibt es dafür ausreichend Rohstoffe?

Nach wie vor erste Wahl-Späne und Hackschnitzel
Die Pelletswerke stellen unterschiedliche Pellets für das Heizen in Wohnungen, das Heizen in der Industrie und für das Stromerzeugen in Kraftwerken her. Zusammensetzung und Qualität der Holzpresslinge sind je nach Einsatzgebiet durch Normen geregelt. Die klassischen Pellets für das Verheizen zu Hause sind DINplus-oder ENplus-Pellets. Sie haben den geringsten Ascheanteil und Abreib. Diese Pellets werden nach wie vor überwiegend aus Spänen und Hackschnitzel hergestellt, die ein Restprodukt der Sägeindustrie sind. Nicht ohne Grund stehen die meisten Pelletswerke dirket neben einen Sägewerk. Rund 10Mio.t Späne und Hackschnitzel fallen in Deutschland pro Jahr an. Davon nutzen die Hälfte die Spanplatten-Hersteller. Aus einem weiteren Drittel werden Papier und Zellstoff hergestellt. Nur rund ein Fünftel wird energetisch verwertet. Zu diesem kleinsten Teil der Späneverwerter gehört unter anderem die Pelletsindustrie.

Rund 30% aller Pellets, davon überwiegend Industriepellets, werden aus sogenanntem nicht sägefähigem Rundholz hergestellt. Das ist Holz, das die Sägeindustrie nicht verarbeiten kann. Die Nutzung dieses Holzes ist in den letzten Jahren angewachsen. Dabei bedeutet das Verarbeiten von Rundholz für die Pelletierer mehr Aufwand, da sie die Stämme im Werk zusätzlich zerkleinern müssen. Ein Sonderfall sind NaWaRo-Pellets, also Pellets aus nachwachsenden Rohstoffen in DINplus Qualität, die einige Pelletshersteller seit Kurzem anbieten. Für diese Pellets wird als Rohstoffbasis ebenfalls nur reines Walrestholz, ohne Rinde, genutzt. Die zertifizierten NaWaRo-Pellets, manchmal auch Waldpellets genannt, sind für stromerzeugende Heizungen (Mini-Blockheizkraftwerke, BHKW) geeignet.

Ausreichend Wald für alle Holznutzer
Jeder, der überlegt, auf das Heizen mit Pellets umzusteigen, stellt sich natürlich die Frage , ob er den Brennstoff auch in Zukunft in Deutschland erhalten wird. Hierzulande besitzen wird die besten Voraussetzungen, um mit Holz und Pellets zu heizen: Deutschland verfügt mit 3,6 Mrd.m³ über den größten Holzvorrat in Europa. Ein Drittel unserer Landesfläche ist mit Wald bedeckt. Den hohen Waldanteil im Vergleich zu anderen europäischen Ländern verdanken wir den Aufforstungen hauptsächlich des 19.jahrhunderts. Die nächste gute Nachricht ist, dass jährlich 10% also 120Mio.m³, Holz nachwachsen. Davon werden derzeit nur rund 70Mio.m³ tatsächlich genutzt. Der deutsche Wald ist von einer Übernutzung also noch weit entfernt. Holz für Pellets gibt es im Übermaß.

Die Zukunft: Energieholzplantagen
Zukünftig rechnen Energieexperten damit, dass heimisches Holz als klimaneutraler Energielieferant noch beliebter werden wird. Um einen eventuellen Engpass in 10 oder 15 Jahren abzufedern, ist Holz aus Kurzumtriebplantage (KUP) eine weitere Rohstoffquelle. Angepflanzt werden schnellwachsende Bäume wie Weide und Pappel, aus deren Hackschnitzel sich auch Industriepellets herstellen lassen. Das schnell wachsende Holz vom Acker kann so zukünftig helfen, den Wald als Holzlieferanten zu entlasten. Das Potenzial für KUP ist riesig. 2 Mio.ha an landwirtschaftlichen Flächen stehen bundesweit dafür zur Verfügung. Derzeit wird nur ein Bruchteil von ca. 3.000ha für Ackerholz genutzt. Auf 1ha KUP – das entspricht etwa einen Fußballfeld- wächst von Jahr zu Jahr genügend Holz, um Pellets für zwei oder drei Pelletsheizungen herstellen zu können. In Deutschland haben Pelletsproduzenten schon begonnen, erste Flächen mit Feldholz zu bepflanzen. KUP lassen sich im Sinne des Naturschutzes anpflanzen und sind keineswegs Flächenkonkurrenten für die Nahrungsmittelproduktion. Pappeln und Weiden wachsen auf weniger fruchtbaren Böden und auf Stilllegungsflächen, die nicht für Äckerfrüchte geeignet sind.

Branche achtet auf Nachhaltigkeit der Rohstoffe
Egal ob Späne, Hackschnitzel oder Durchforstungsholz als Rohstoffquelle für die Pellets dienen – alle Rohstoffe stammen aus nachhaltiger Waldwirtschaft, bei der auf das Nachwachsen neuer Bäume und auf die Natur geachtet wird. Mittlerweile sind in Deutschland rund zwei Drittel der Waldfläche nach den Nachhaltigkeitssiegeln PEFC und FSC (Forest Stewardship Council) zertifiziert. PEFC ist die englische Abkürzung für das, Programm für die Anerkennung von Waldzertifizierungssystemen, FSC ist eine Non-Profit-Organisations zur Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft, deren Gütesiegel oft auf Möbeln und anderen Holzprodukten im Handel zu finden ist. Darüber hinaus hat die Pelletsbranche gemeinsam mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) eine Leitlinie für eine nachhaltige Energieholzgewinnung im Wald vereinbart. So verpflichtet sich die Pelletsindustrie unter anderem dazu, Waldrestholzbestandteile wie Wurzeln, Kronen-oder Astmaterial im Wald zu lassen, um ihn als Ökosystem zu erhalten. Auch beim Anlegen von KUP will die Branche besonders auf Naturschutz achten. In einem waldreichen Land wie Deutschland werden die Holzpresslinge in den nächsten Jahrzehnten- auch wenn die Konkurrenz um den Rohstoff Holz wächst- eine bedeutende Rolle als klimaschonender Energieträger spielen.

Quelle: Pellets, von Claudia Hilgers

Dienstag, 7. September 2010

Globaler Wettbewerb um Energie-Ressourcen verschärft sich

Bundeswehr-Studie: Beim Erdöl beginnen die Engpässe - Mögliches "Komplettversagen von Märkten" bedroht die Demokratien

Berlin - Mit dem Streit über Atomlaufzeiten hat Schwarz-Gelb den Fokus von der eigentlichen Aufgabe gelenkt: Es geht um nicht weniger als ein grundsätzlich, zukunftsfähiges Energiekonzept der Bundesregierung. Vor welchem strategischen Hintergrund dies geschieht, zeigt eine Studie des "Zentrums für Transformation der Bundeswehr" in Strausberg bei Berlin.

Dort haben Experten des Dezernats "Zukunftsanalyse" die Folgen knapper werdender Energieressourcen untersucht. Ihr Fazit: Angesichts drohender Versorgungsengpässe - gerade beim Erdöl - droht ein drastischer Ansehensverlust der Politik und damit der Demokratie, wenn in der Energiepolitik nicht zügig umgesteuert wird.

Wenn es angesichts knapper Energieressourcen nicht gelinge, so die Experten, angemessene Lösungsstrategien zu entwickeln, schwinde das Vertrauen der Bevölkerung. Politikverdrossenheit aber könne zu "zunehmender politischer Instabilität und anwachsendem Extremismus führen". Die Erfahrung zeige, "dass nur eine kontinuierliche Verbesserung der individuellen Lebensumstände die Basis für tolerante und offene Gesellschaft legt". Die Studie warnt vor einem "Komplettversagen von Märkten" und der Destabilisierung der globalen Wirtschaftssysteme.

Ausgangspunkt der Analyse ist die Frage, was passiert, wenn das Maximum der Erdölförderung (Peak Oil) überschritten sein wird. Es gebe eine "gewisse Wahrscheinlichkeit", dass dieser Punkt bereits um das laufende Jahr 2010 erreicht werde. Peak Oil markiert freilich das Ende billigen Erdöls. Als Folge werde der Ölmarkt kaum mehr marktwirtschaftlichen Gesetzen folgen. Bilaterale Lieferverträge würden an Bedeutung zunehmen. "Attraktive Gegenleistungen", wie etwa Chinas Waffenlieferungen in einige afrikanische Länder, werden für Erdölexporteure "ein entscheidendes Kriterium für die Auswahl der bevorzugten Empfängerländer sein", so die Analyse. Mit dem Schwinden der Ölreserven gewinnen aber andere Ressourcen an Bedeutung.

In vielen Ländern gelte Kernenergie als vergleichsweise preiswert, wenn die Kosten für Sicherheit und Endlagerung nicht mit berücksichtigt werden. "Mehr Kernenergie würde aber zumindest die statistische Wahrscheinlichkeit von Unfällen erhöhen, die ab einer gewissen Schwelle regional dramatische und destabilisierende ökologische Folgen mit globalen Auswirkungen haben können", wird konstatiert. Aber auch die Alternativen stellen der Studie zufolge die Politik vor große Herausforderungen: So ist mit einem "massiven Ausbau" der Produktion von nachwachsenden Energierohstoffen zu rechnen. Da die landwirtschaftliche Fläche begrenzt ist, wird es zur Konkurrenz mit Nutzpflanzen kommen, was die Preise für Nahrungsmittel treiben wird. Die Energieerzeugung aus Wind, Sonne, Wasser, Geothermie und Biomasse wird zunehmen. Da auch diese Ressourcen je nach geografischen Gegebenheiten sehr unterschiedlich verteilt sind, rechnen die Experten mit dem Aufbau von transnationalen Verbundnetzen.

Durch das Überschreiten des globalen Peak Oil wird die Abhängigkeit vom Erdöl erst so richtig deutlich: Der Rohstoff ist für 95 Prozent aller industriell gefertigten Produkte notwendig. Selbst die globale Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion wurde erst mit Kunstdünger und Pestiziden auf Erdölbasis möglich. Dazu heißt es: "Moderne Volkswirtschaften haben sich auf der Basis billiger fossiler Rohstoffe, insbesondere des Erdöls, ausdifferenziert." Wird Erdöl knapp und teuer, sind alle Sektoren betroffen. Vor allem der Individualverkehr würde stark eingeschränkt mit extremen Folgen für Autoindustrie, Baugewerbe oder auch den Tourismus. Höhere Kosten für den Güterverkehr würden zu Engpässen bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln führen. Daraus könnten sicherheitspolitisch relevante Versorgungskrisen entstehen.

Deutschland bezieht rund 80 Prozent seiner Öllieferungen aus sechs Staaten, Russland steht mit 35 Prozent an der Spitze. "Folglich stellt eine engere Anbindung Russlands an Deutschland und Europa eine zentrale Aufgabe deutscher und europäischer Politik dar", lautet eine Politikempfehlung. Angesichts der drohenden Schwächung westlicher Industrienationen raten die Experten zu einer "zeitlich ambitionierten Energiewende". Mit Blick auf die Bundeswehr heißt es: Die Streitkräfte sollten bis zum Jahr 2100 vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

"Es war höchste Zeit, dass sich der Bund mit dem Thema Peak Oil auseinandersetzt", sagte Hans-Josef Fell, energiepolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, der WELT. Gefordert seien jetzt auch Expertisen des Wirtschaftsministeriums "zum Energiesparen und zu erneuerbaren Energien".
 
Quelle: Zeitung: Die Welt. Von Claudia Ehrenstein

Dienstag, 10. August 2010

Ölpreis: 90 Dollar in Sicht

Der Ölpreis bewegte sich in den vergangenen Monaten seitwärts, wohin geht der Trend?
Hannes Loacker: Der Ölpreis ist kürzlich aus seinem relativ engen Preisband von 72 bis 80 Dollar nach oben ausgebrochen. Hierfür verantwortlichen waren die überraschend guten Wirtschaftsdaten zu China und den USA. Das hat nicht nur dem Ölpreis, sondern auch allen anderen Risikoklassen geholfen.

Ist dieser Trend nachhaltig?
Alle Rohstoffklassen korrelieren zurzeit seht stark mit dem Aktienmarkt. Fällt die Risikoversion der Anleger, steigen die risikoreichen Anlageklassen und umgekehrt. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass diesbezüglich aber keine einheitliche Tendenz erkennbar ist, da die Unsicherheit zur globalen Wirtschaftsentwicklung noch zu groß ist. Entsprechend stark reagiert der Ölmarkt zurzeit daher auf Konjunkturdaten. Kurzfristig dürfte aber vor allem die Hurrikan-Saison, die kurz vor ihrem Höhepunkt steht, für eine Aufwärtsbewegung sorgen. Potenzielle Produktionsausfälle könnten den Preis dann für einige Zeit um bis zu drei Dollar anheben.

Weist auch die Nachfragesituation auf steigende Preise hin?
Ja. Diese ist in den OECD-Ländern zwar noch relativ schwach, allerdings kommen aus den USA bereits erste Anzeichen für eine steigende Nachfrage, vor allem nach Benzin. In den Emerging Markets ist diese ohnehin anhaltend hoch und dürfte heuer um weitere vier Prozent steigen, in China sogar um bis zu acht Prozent. Im nächsten Jahr sollte das Wachstum der globalen Ölnachfrage laut IEA bei 1,6 Prozent liegen.

Wo wird der Ölpreis zu Jahresende liegen?
Wir erwarten, dass dieser bis Jahresende in Richtung 90 Dollar je Barrel steigt. Deutlich darüber dürfte der Preis aber kaum zu liegen kommen, da die Nachfrage in Europa noch sehr zu wünschen übrig lässt.

Inwieweit üben die vollen Öllager einen Abwärtsdruck aus?
Die Rohöllager sind relativ gut gefüllt, in den USA liegen die Bestände um rund fünf Prozent über dem Fünf-Jahres-Schnitt. Der gut versorgte Markt stellt momentan sicherlich eine Barriere nach oben dar, allerdings erwarten wir, dass die Lagerbestände in den nächsten Monaten sinken werden.

Trägt die fehlende Quotendisziplin der OPEC zu diesem Überangebot bei?
Ja. Die OPEC hält ihre selbst auferlegten Förderquoten nicht ein und versorgt den Markt mit mehr als geplant. Deren Quotendisziplin liegt zurzeit nur bei etwa 55 Prozent, während diese im März noch bei 80 Prozent lag.

Die desaströse Ölpest im Golf von Mexiko hat zwar der Ölindustrie und BP massiv geschadet, den Ölpreis aber kaum beeinflusst. Wie erklärt sich das?
Da laut US-Energiebehörde durch den Unfall die Ölproduktion gerade einmal um 0,03 Prozent gesunken ist, war die Reaktion der Spotmärkte verhalten. Längerfristig werden die verschärften Sicherheitsvorschriften aber die Grenzkosten der Förderung steigen lassen, was auch einen höheren Ölpreis zur Folge haben wird. Das zeigte sich bereits an den sehr weit in die Zukunft reichenden Öl-Futures, die sich deutlich verteuert haben.

Haben BP-Aktienbesitzer nach dem Erfolg im Kampf gegen den Ölaustritt nun das Schlimmste hinter sich und können wieder auf steigende Kurse hoffen?
Zumindest das Überleben von BP dürfte gesichert sein. Von entscheidender Bedeutung ist nun die Frage nach der Höhe der ausstehenden Strafzahlungen. Sollte BP nachgewiesen werden können, dass das Unternehmen grob fahrlässig gehandelt hat, könnten die Strafzahlungen um den Faktor vier steigen und Mehrkosten von bis zu zehn Milliarden Dollar verursachen. Ist hingegen nicht der Fall, darf man eine sehr positive Reaktion der Börse erwarten.

Für Ölzertifikate-Inhaber ist die Preis-Terminkurve relevant. Hohe Lagerbestände und konjunkturelle Risiken deuten laut manchen Experten auf eine Backwardation-Situation hin. Ist dieses Szenario realistisch?
Meiner Meinung nach wird sich zwar die Steilheit der Kurve abflachen, ich glaube aber nicht an eine bevorstehende Backwardation-Situation.

Quelle: Wirtschafts Blatt

Montag, 9. August 2010

IFAT Entsorga Expertengespräch

Klimafolgenforscher warnt vor Kohle-Renaissance
Prof. Dr. Ottmar Edenhofer: Weltweites Ausweichen auf Kohle  bei steigendem Ölpreis  ist die klimapolitische Herausforderung des 21.Jahrhunderts.

Die gigantische Ölkatastrophe im Golf von Mexiko wird drastische Folgen haben: personelle, ökologische, wirtschaftliche. Aber profitiert wenigstens das globale Klima davon, wenn die Havarie den Rohölpreis weiter steigen und den weltweiten Verbrauch dadurch sinken lässt?
Ganz im Gegenteil, wie Prof. Dr. Ottmar. Edenhofer, Vorsitzender im Weltklimarat, das diesjährige IFAT Entsorga Expertengespräch in Berlin eröffnete:"Steigende Ölpreise sind ein Desaster für den Klimaschutz", erklärte der Wissenschaftler bei dem Expertengespräch in Berlin.
Ein hoher Ölpreis mache die Nutzung von Kohle zur Verstromung bereits jetzt wieder deutlich Wettbewerbsfähiger, vor allem in China, Indien und den USA.
"Wir befinden uns mitten in einer Renaissance der Kohle", konstatierte Edenhofer.
Der Preis dafür seien noch stärker steigende CO2-Emissionen. Wissenschaftler sind sich einig: Die globale Durchschnittstemperatur dürfe in den nächsten Jahrzehnten auf keinen Fall um mehr als 2 Grad steigen.
Andernfalls drohten Konsequenzen , die längst nicht mehr beherrschbar sind- etwa Ernteausfälle in Teilen Afrikas oder ein Anstieg des Meeresspiegels, der die Existenz von Millionen Menschen in den Küstenregionen gefährden würde.
Das 2-Grad-Ziel sei, so Edenhofer, aber nur zu erreichen, wenn die Emissionen von Klimagasen schon in den nächsten Jahren konstant bleibt und spätestens zu Beginn des nächsten Jahrzehnts zu sinken beginnt ein Ziel, das im Moment weiter entfernt scheint als je zuvor.
Die Voraussetzung für den dringend notwendigen Kurswechsel sei die Errichtung eines globalen CO2- Marktes, der klimaschädliche Emissionen auf ein verträgliches Minimum begrenzt.
Zudem seien technologische Innovationen erforderlich, um dieses Ziel zu erreichen.

Quelle: UmweltJournal

Donnerstag, 22. Juli 2010

DGS-Stellungnahme zur Wiederaufnahme der MAP-Förderung

(DGS Fachausschuss Solarthermie) Das Klimaschutzziel der Bundesregierung sieht unter anderem eine Erhöhung des Anteils der Erneuerbaren Wärme von 7 auf 14% bis 2020 vor. Die Situation auf dem deutschen Markt zeigte 2009 einen Marktrückgang bei der Solarthermie um ca. 30%, bei der Wärmepumpe um ca. 20% und bei Pelletsheizungen um ca. 10%. Genau in dieser Marktlage verkündete die Bundesregierung am 3. Mai diesen Jahres einen Bewilligungsstopp beim Marktanreizprogramm (MAP) mit monatelanger Unklarheit, ob die Förderung wieder aufgenommen wird oder nicht. Die Folge war ein weiterer Rückgang der Umsätze, z.B. im Bereich Solarthermie um 33% im Mai 2010.

Der Förderstopp wurde mit Sparzwängen bei der Haushaltssanierung begründet. Das ifo-Institut hat errechnet, dass die Einnahmeausfälle durch den Förderstopp größer sind als die Einsparungen (Einsparungen 115 Mio, Einnahmeausfälle min. 250, max. 580 Mio.). Am 12.Juli wurde die Förderung in Teilbereichen wieder aufgenommen. Zusätzlich wurden noch Mittelreduzierungen für 2010 ( von 500 auf 380 Mio.) und bis 2013 auf jährlich 340Mio. beschlossen.

Um den Anteil der Erneuerbaren Energien auf 20% im Jahre 2020 und auf 50% im Jahre 2050 anzuheben , müssen die bisherigen Anstrengungen stark erhöht werden. Stattdessen kürzt die Bundesregierung die Mittel in den Bereichen MAP (Solarthermie, Biomasse, Wärmepumpe), KfW (energetische Gebäudesanierung) und Photovoltaik. Es werden dabei nicht nur Firmen und Arbeitsplätze im Bereich zukunftsfähiger Technologien gefährdet und Einnahmeausfälle produziert sondern auch lauthals verkündete Klimaschutzziele verpasst.

Prof.N.Stern, ehemaliger Weltbank-Chefökonom und jetziger Leiter des volkswirtschaftlichen Dienstes der britischen Regierung, hat in seinem Report (2006) festgestellt, dass unterlassener Klimaschutz fünf-bis zwanzigmal mehr kostet als durchgeführte Klimaschutzmaßnahmen. Wenn wir weiterhin im Klimaschutz so halbherzig handeln, bürden wir uns und den kommenden Generationen zusätzlich enorme Probleme auf.

Das wichtigste im Überblick:
  • Es gibt eine Förderrichtlinie: http://www.bafa.de/bafa/de/energie/erneuerbare_energien/index.html
  • Es müssen neue Anträge gestellt werden, Anträge, die im Zeitraum des Förderstopps beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eingegangen sind, werden abgelehnt.
  • Für bereits errichtete Anlagen wurde eine Ausnahmeregelung geschaffen. Anlagen, die im Zeitraum 1.11.2009 bis 28.2.2010 errichtet wurden sind bis zu 9 Monate nach der Installation noch antragsberechtigt.
  • Zukünftig wird sich die MAP-Förderung auf den Gebäudebestand konzentrieren. Als neue Fördervoraussetzungen ist in der Richtlinie festgelegt, dass nur Gebäude, "Die bereits über ein Heizungssystem verfügen" förderfähig sind. Einzige Ausnahme bilden hier solare Prozesswärmeanlagen, die auch weiterhin im Neubau möglich sind.
  • Die Förderung von Warmwasseranlagen ist nur noch in der Innovationsförderung im Bereich der Mehrfamilienhäuser möglich.
  • Die Fördersätze werden angepasst.                                                 
  • Basisförderung (für Kombianlagen hauptsächlich auf Ein-und Zweifamilienhäuser) 90 Euro/qm
  • Innovationsförderung (für Warmwasser, Heizungsunterstützung, Kälteanlagen, Prozesswärme) 180 Euro/qm
  • Kesseltauschbonus (befristet bis Ende 2010) 500Euro
  • Effizienzbonus (nur noch eine Stufe) insgesamt das 1,5-fache der Basisförderung

Forderung der Wirtschaft: Sanierungsscheck fortsetzen!

Sanierungsscheck läuft aus
"Umwelt+Bauen": Unter diesem Namen starteten insgesamt 15 Partner aus den verschiedensten Institutionen eine überparteiliche Initiative für den Ausbau der Gebäudesanierung und die Weiterführung des Sanierungsschecks in Österreich. Gemeinsam will man die Politik von der Notwendigkeit der erarbeiteten Nachhaltigkeitsmaßnahmen überzeugen. Aus dem Ministerium gab es eine vorläufige Absage.

Die Ausgangslage ist alles andere als rosig. Die Sanierungsrate liegt nach wie vor bei rund 1 %, das Erfolgsmodell des "Sanierungsschecks" läuft aus, die Energiestrategie 2020 ist in kritischer Diskussion und die Nachhaltigkeit droht der Budgetsanierung geopfert zu werden.
Sparen allen sei sicherlich keine Lösung
, sondern verhindert eine Wachstumssteigerung, so die Partner der Nachhaltigkeitsinitiative Umwelt+Bauen: "Wir profitieren noch heute von den Investitionen, die in der Vergangenheit getätigt worden sind! Um die Wirtschaft anzukurbeln. Arbeitsplätze zu sichern und unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft zu schaffen, müssen wir jetzt intelligent in Umwelt- und Baumaßnahmen investieren".

Vier Kernziele:
Dabei nannte die Initiative bei einer gemeinsamen Pressekonferenz vier Kernziele:
Das erste ist eine Steigerung der Sanierungsrate, speziell bei Ein-und Zweifamilienhäusern aus der Bauperiode 1945-1980 sowie bei öffentlichen und gewerblichen Gebäude. Um die von der Bundesregierung angestrebte Sanierungsrate von 3% zu erreichen, bedürfe es daher zusätzlicher Fördermittel im Ausmaß von jährlich 300 Mio. Euro für die thermische Sanierung. Zum zweiten soll auch das Neubauangebot an leistbaren Wohnungen erhöht werden, etwa durch eine bedarfsgerechte Dotierung der Wohnbauförderungsbudgets der Länder. Der Umstieg auf erneuerbare Energieträger ist die dritte Forderung der Initiative. Eine Umstellung der derzeit ca. 600.000 alten Heizsysteme auf erneuerbare Energien müsse forciert werden. Zudem sollen viertens in nachhaltige Verkehrsinfrastruktur und notwendige zeitgemäße Bildungseinrichtungen investiert werden. Je früher in den Bau bzw. in die Sanierung von Verkehrswegen und Bildungseinrichtungen investiert würde, umso günstiger und nachhaltiger seien diese für die öffentliche Hand.

Ziel: Sanierungs-Heizungs-Scheck
"Die Kernziele der gemeinsamen Nachhaltigkeitsinitiative Umwelt+Bauen machen es deutlich: wir müssen bei Neubau und Sanierung konsequent auf erneuerbare Energie umsteigen, um die Klimaschutzziele zu erreichen", konstatierte auch Roger Hackstock, Geschäftsführer von Austria Solar, gegenüber dem UmweltJournal. Der Umstieg auf erneuerbare Energie sei zugleich auch ein Beschäftigungsmotor und bringend Geld in die Staatskasse."Ein Beispiel: jede Solaranlage zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung bringt 4.000 Euro an Einnahmen für den Staat (Ust, Lohnsteuer, Körperschaftssteuer). Acht solcher Anlagen sichern einen Vollzeitarbeitsplatz. Eine Heizungstauschoffensive mit Solarbindung würde private Investitionen in tausende solcher Anlagen auslösen, mit volkswirtschaftlichen Effekten, die uns alle zugute kommen", schildert Hackstock. Die Fortführung des Sanierungsschecks mit einem klaren Fokus auf Gebäude- und Heizungssanierung sei daher ein Kernziel der gemeinsamen Initiative.

Frühestens 2011 wieder
Der allseits geforderte Sanierungsscheck könnte aber zum Sanierungsscheck werden. Denn das zuständige Wirtschaftsministerium hatte dazu nur eine vorläufige Absage parat: "Wegen der budgetären Situation wird es heuer voraussichtlich keine Bundesförderung für die Thermische Sanierung geben, frühestens2011 wieder. Allerdings stehen schon derzeit die verschiedenen Fördertöpfe der Bundesländer zur Verfügung. In Zukunft wird im Rahmen der geplanten Ökologisierung des Steuersystems eine zusätzliche Unterstützung für die thermische Sanierung angestrebt".

Quelle: UmweltJournal, Autor: Mag. Alexander Kohl

Dienstag, 20. Juli 2010

Umweltschäden werden Wirtschaftsfaktor

1,7 Billionen Euro pro Jahr kosten laut Uno die Umweltschäden, die die 3000 größten Unternehmen anrichten. Statt der Verursacher zahlt meist die Allgemeinheit.

Die Fischer in Louisiana dürfen ihre Netze nicht auswerfen, und wenn sie es doch täten, wären sie so wie die Strände voller Öl. In den Restaurantküchen fehlt der Fisch, an den Tischen und in den Hotelzimmern die Gäste. Was die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko kosten wird, weiß noch niemand. Sicher ist: Es wird nur ein Bruchteil dessen sein, was Konzerne jedes Jahr an Umweltschäden anrichten: Rund 1,7 Billionen Euro Schaden, etwa viermal so viel wie Österreich Wirtschaftsleistung, verursachen die 3000 größten Unternehmen der Welt pro Jahr.

Das ist ein erstes Ergebnis einer Studie im Auftrag der Uno, das am Dienstag veröffentlicht wurde. Beunruhigend finden diese Entwicklung vor allem Firmenchefs in Afrika und Südamerika: Etwa die Hälfte meint, weniger Biodiversität-also Artenreichtum und-vielfalt-würde das Wirtschaftswachstum gefährden. In Europa und Nordamerika sehen nicht einmal 20 Prozent der CEOs das als Bedrohung, geht aus der Studie The economics of ecosystems and biodiversity der Uno hervor.
Es gibt viele Möglichkeiten wie abnehmende Biodiversität und zerstörte Ökosysteme Geld kosten können: Wenn ein Wurm ausstirbt , in dessen Genen ein Heilmittel für Alzheimer enthalten war; wenn Wälder abgeholzt werden, die verhindern, dass Boden erodiert; oder wenn Flüsse begradigt werden, deren Au vor Überschwemmungen geschützt haben.

Derzeit sterben nach Uno Schätzungen täglich etwa 130Arten aus, damit geht das Artensterben 100-mal schneller voran, als die Evolution das vorgibt. Außerdem wir täglich eine Fläche Urwald gerodet, die eineinhalb Mal so groß ist wie die Schweiz.
"Wie Unternehmen mit diesen Risiken umgehen, wird immer mehr entscheiden, ob sie profitabel wirtschaften", sagte Achim Steiner, Chef der UN-Umweltorganisation UNEP bei der Präsentation. Firmen sollten genau prüfen und ausweisen, wie schädlich ihr Verhalten oder ein bestimmtes Produkt für die Umwelt ist oder welche Folgekosten sie verursachen, meinen die Studienautoren. Die US-Handelskette Wallmart oder das Minenunternehmen Rio Tinto nennen sie als positive Beispiele.
Für Unternehmen würde es sich lohnen, umweltfreundlich zu wirtschaften: Einerseits werde es für Kunden immer wichtiger, ob Produkte umweltschonend produziert werden. Andererseits bietet die Rücksichtnahme auf Artenvielfalt und Ökosysteme auch neue Geschäftsmodelle wie nachhaltig produzierte Lebensmittel, Ökotourismus oder Wiederaufforstungsprogramme.

Ökosystemen fehlt der Preis
Weil die Nutzung von Ökosystemen keinen Marktwert habe, würden viele Unternehmen derzeit keine Rücksicht auf sie nehmen, meint Steiner. "Kosten für Umweltschäden tragen Versicherer, die Bevölkerung und der Steuerzahler", sagt er zur Süddeutschen Zeitung. Durch Abgaben und Steuern solle Ökosystemnutzung einen Preis bekommen.
Das führt aber auch zu Problemen:"Der Ansatz über steuern ist nicht immer sinnvoll, etwa bei Feinstaub, wo es mehrere diffuse Verursacher gibt", sagt Umweltökonomin Angela Köppl vom Wifo. "Die Frage ist: Gibt es eine eindeutige Kausalität zwischen Ursache und Schaden, wie etwa bei fossilen Brennstoffen?"
"Wenn Firmen ein erhöhtes Risiko von Umweltschäden eingehen, sollten sie dafür zahlen", meint hingegen Franz Prettenthaler, Umweltökonom am Joanneum Graz. "Gefragt sind die Versicherungen, sie müssen die Prämien anpassen, dass sich umweltfreundliches Verhalten lohnt." Zwar gibt es internationale Abkommen, die festlegen, dass Unternehmen für Schäden aufkommen müssen-"nur sind die Strafen meist viel zu niedrig gedeckelt", sagt Fritz Krois vom Umweltbundesamt.
In Österreich regelt das das Bundesumwelthaftungsgesetz: "Es stehen aber so viele Ausnahmen darin, dass es wahrscheinlich nur wenige Anwendungsfälle gibt." Außerdem sind darin nur Schäden für Gewässer, den Boden und geschützte gebiete geregelt-Biodiversitätsschutz ist Ländersache.

Quelle: DER STANDARD, Tobias Müller

Montag, 19. Juli 2010

"Kritische Stellungnahme der EE-Verbände zum NAP"

Der Aktionsplan gleicht einer Vollbremsung
Verbände wollen mit EU-Kommission direkt Verbindung aufnehmen, um das hohe Potenzial an Erneuerbare für Österreich aufzuzeigen.

Die Verbände der Erneuerbaren Energie laufen Sturm und fordern eine Überarbeitung, bevor der Plan nach Brüssel geht. Seit dem Jahr 2005 konnte der Anteil erneuerbarer Energie am Brutto-Endenergieverbrauch in Österreich deutlich gesteigert werden. In nur drei Jahren stieg der Anteil um 4,4%von 24,4% im Jahr 2005 auf 28,8% im Jahr 2008 (Quelle: Energiestrategie Österreich). "Geht es nach der Bundesregierung, so soll mit dem rasanten Ausbau der Erneuerbaren in den nächsten zehn Jahren Schluss sein. In den nächsten zehn Jahren sollen nicht mehr als 5,4% an erneuerbarer Energie dazukommen, der Zielwert liegt bei 34,2% im Jahr 2020," so interpretierten die Verbände der erneuerbaren Energien das Ergebnis des vorläufigen Endberichtes der Bundesregierung zum "Nationalen Aktionsplan 2010 für erneuerbare Energie(NAP)"

Gezielt falsch informieren?
Die Verbände -Biomasse-Verband, proPellets, IG Windkraft, Kleinwasserkraft, Photovoltaic Austria, Austria Solar, Arge Kompost&Biogas-appellierten geschlossen schon am selben Tag der Bekanntgabe des NAP an die Bundesregierung, die Ziele des Aktionsplans gemeinsam mit Fachverbänden vor Übermittlung an Brüssel zu überarbeiten."Es werden in dem Plan derart unrealistische Zahlen verwendet, dass der Eindruck entsteht, man möchte die Europäische Kommission gezielt falsch informieren. Im vergangenen Jahr wurden in Österreich Biomassekessel mit rund 700 MW Leistung installiert. Nach dem Aktionsplan sollen es 2011 nur 40 MW sein", warnt Christian Rakos, Geschäftsführer von proPellets Austria.

Stillstand und Rückgang für Solar und Biomasse
"Der Aktionsplan sieht einen Ausbaustopp bei erneuerbarer Energie in Gebäuden ab 2015 vor, ein "Witz", meint Roger Hackstock vom Verband Austria Solar."Bei Solarwärme darf sich in den nächsten zehn Jahren nicht mehr tun als in den letzten Jahren, wenn man die Ziele im Aktionsplan ernst nimmt. Der Jobroboter Solarwärme liefe damit über Jahre im Leerlauf, statt zu beschleunigen", so Hackstock. Bei der Biomasse würden die angeführten Zielwerte schwerwiegend negative Folgen für den Heimmarkt haben. "Die Ausbauzahlen im Aktionsplan bedeuten einen Rückgang der jährlichen Ausbaurate von 75%", beschreibt Heinz Kopetz, Präsident des Österreichischen Biomasse Verbandes, die Dramatik. Wird diese Entwicklung Wirklichkeit, bedeutet dies einen Einbruch des Heimmarktes, den Abbau von Arbeitskräften bis hin zu Betriebsschließungen. Ein kürzlich von diesen Verbänden präsentierter Aktionsplan zeigt, dass ein erneuerbarer Energieanteil von 50 Prozent am Gesamtenergie-Mix bis zum Jahr 2020 möglich ist. Die Verbände wenden sich nun direkt an die EU-Kommission, um auf dieses hohe Potenzial für Österreich hinzuweisen.

Quelle: UmweltJournal

Dienstag, 13. Juli 2010

"Kein Bedarf auf mysteriöse Zukunftstechnologien zu warten"

Strategie für ein zukunftsfähiges Energiesystem
Langfristig werden fossile Energieträger für Verbrennungszwecke nicht verfügbar sein.

Die Potenzialabschätzungen für erneuerbare Energien, die Umwelt Management Austria in den letzten Jahren durchgeführt hat, zeigen deutlich, dass nicht einmal der gegenwärtige Energieverbrauch damit gedeckt werden könnte. Es geht also darum, mittels-bis langfristig den Energieverbrauch, der jahrzehntelang zum Teil dramatisch gestiegen ist, zunächst zu stabilisieren und schließlich zu senken. Die Potenziale effizienter Energienutzung sind durchaus vielversprechend. Die technischen Möglichkeiten sind bereits jetzt gegeben. Es besteht kein Bedarf, auf mysteriöse Zukunftstechnologien zu warten. Die wichtigen Schritte, die derzeit fehlen:
  • Politische Instrumentarien (Finanzielle und rechtliche Anreize zu Energieeffizienz und Verhaltensänderung)
  • Akzeptanzstrategien (Öffentlichkeitsarbeit leisten, Bewusstsein wecken, Qualifikation und Bildung vermitteln,...)
Die Schwierigkeit der Entwicklung einer Strategie ein zukunftsfähiges Energiesystem liegt daher nicht im Auffinden technischer Lösungen. Es geht vielmehr darum, mit Konsequenz auf deren Umsetzung hinzuarbeiten. Angesichts der jahrzehntelang steigenden Energieverbräuche ( bei durchaus verfügbaren Effizienztechnologien!) wir dies großer Anstrengungen bedürfen. Voraussetzung für den Erfolg wird ein ganzheitlicher Zugang zur Problematik und eine umfassende, vollständige Realisierung der Maßnahmen sein.

Energiestrategie für Österreich
Zur Erarbeitung der am 17.03.2010 präsentierten "Energiestrategie Österreich" wurde ein anderer Weg gewählt: Zugrunde gelegt wurden die EU Ziele für 2020. Um diese zu erreichen wurde ein Stabilisierungsziel von 1.100 PJ für den Endenergieverbrauch vorgegeben. Für einzelne Sektoren bzw. Verwendungszwecke wurde dabei ein steigender Energiebedarf zugelassen. Die Erarbeitung von Maßnahmenvorschlägen erfolgte in Arbeitskreisen unter Mitwirkung von ca. 150 Vertretern aus der Verwaltung der Wirtschaft, Wissenschaft, Umwelt und Gesellschaft. Durch die Zergliederung in begrenzte sektorale Betrachtung in einzelnen Arbeitsgruppen, die terminliche Fixierung mit 2020 und die Besetzung der Arbeitsgruppen mit Lobbyisten des bisherigen Energiesystems war zu befürchten, dass die notwendige , oben begründete Energiewende bzw. der umfassende Umbau des Energiesystems, wie ihn auch die Sozialpartner in einer gemeinsamen Studie gefordert hatten, unterbleiben würde.
Allerdings kann eine Reihe von Inhalten und Vorschlägen dieser Energiestrategie als positiv begrüßt und befürwortet werden:
  • Das Bekenntnis zum Klimaschutz, zur Reduktion von Treibhausgasemissionen, zur Energieeinsparung und zum Ausbau der erneuerbaren Energien
  • Ziele wie Umweltverträglichkeit, Sozialverträglichkeit und sichere Versorgung
  • Vorschläge zu übergreifenden Maßnahmen von einem Energieeffizienzgesetz bis zur ökologischen Steuerreform und Energieraumplanung
  • Konkrete Vorgaben wie z.B.: die Steigerung der Sanierungsrate für Altbauten, Abwärmenutzung, Substitution von fossilen Energieträgern, Mikro-KWK Lösungen, Fernwärme und Fernkälte auch aus Solarthermie u.v.a.m.
Wesentliche Kritikpunkte sind:
  • Es fehlt die langfristige Perspektive und damit der Weg zum grundlegenden Umbau des Energiesystems.
  • Durch die Fixierung auf den Zeitpunkt 2020 wird es möglich, diese relativ kurzfristigen Ziele auch unter heranziehen kontraproduktiver Maßnahmen (der Anteil der Kohle steigt z.B von knapp 25PJ auf mehr als 27PJ) zu erreichen.
  • Energieintensive Unternehmen dürfen ihren Verbrauch um 15%, Haushalte, Gewerbe, Dienstleistungen, Landwirtschaft und Kleinverbrauch um 10 % bis 2020 steigern. Langfristig muss aber der Energieverbrauch generell sinken, um die Bereitstellung durch erneuerbare  Energieträger zu ermöglichen.
  • Die Ziele sind so festgelegt, dass sie nur bei vollständiger und kontinuierlicher Realisierung der Maßnahmen erreicht werden können.
  • Man darf daher davon ausgehen, dass die Ziele für 2020 sicher nicht erreicht werden.
  • Viele Maßnahmen sind unkonkret und vor allem unverbindlich. Die Diskussion um Ökosteuer, Ökostromgesetz oder Energieeffizienzgesetz wird also wohl weitergehen wie bisher, nämlich ohne konkrete Umsetzung.
  • Klare Aussagen zur Ablehnung von Atomenergie, Ausstieg aus Euratom etc. fehlen.
  • Bei den Potenzialen erneuerbarer wird Windenergie und Photovoltaik unterbewertet, Wasserkraft dagegen zu hoch angesetzt. Die Realisierung dieses Potenzials würde mit der Zerstörung wertvoller Naturräume einhergehen.
  • Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die aktuelle Energiestrategie Österreich zu begrüßende  allgemeine Zielsetzung enthält. Zukunftsfähige Maßnahmen, die zu einem langfristigen tragfähigen Energiesystem beitragen, werden allerdings konterkariert durch auf kurzfristige Ziele orientierte, langfristig kontraproduktive Maßnahmen.
Die Maßnahmen sind so dimensioniert, dass die vorgegebenen Ziele für 2020 aller Voraussicht nach nicht erreicht werden können. Außerdem sind zahlreiche wichtige übergreifende Maßnahmen zwar formuliert, aber absolut unkonkret und unverbindlich, sodass sie ihre Wirkung wenn überhaupt dann erst nach längerer Diskussion und nach einer (allfälligen) Beschlussfassung entfalten können.
Kurz gefasst: Die Energiestrategie Österreich-eine versäumte Chance!

Quelle: UmweltJournal, Autor: Dr. Reinhold Christian, Umwelt Management Austria

Montag, 5. Juli 2010

European Pellet Council (EPC) gegründet

Dr. Christian Rakos EPC-Präsident

Das European Pellet Council (EPC) wurde am 1. Juli 2010 in Brüssel von Vertretern aus zehn europäischen Ländern gegründet sowie eine Satzung verabschiedet, informiert der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband (DEPV), Berlin. Als EPC-Präsident wurde Dr. Christian Rakos, Geschäftsführer proPellets Austria, gewählt. Die Finnin Eija Alakangas ist Vize-Präsidentin.

Schwerpunkt beim EPC werden die Interessenvertretung in der EU sowie die internationiale Umsetzung des vom Deutschen Pelletinstitut (DEPI) erstellten Zertifizierungssystems ENplus sein.

EPC ist als eigenständiges Gremium dem europäischen Biomasseverband AEBIOM angegliedert.

Freitag, 2. Juli 2010

Neue Förderrichtlinie für Pelletsheizungen in Oberösterreich

Gültig ab 1. Juli 2010

Fördervoraussetzungen
Für Pelletsanlagen mit einem ausschließlich wassergetragenen Zentralheizungssystem muss eine Typenprüfung hinsichtlich Leistung, Wirkungsgrad und Emission von einer staatlich autorisierten Prüfstelle vorliegen. Die Antragstellung muss bis spätestens ein Jahr (Eingangsstempel der Förderstelle) nach Anfallen der Kosten (Datum der Rechnung) erfolgen. Die einschlägigen baubehördlichen Bestimmungen des OÖ LUftreinhalte- und Energietechnikgesetzes sind einzuhalten.

Förderbar sind generell nur jene Heizsysteme, die ausschließlich auf Biomassebasis betrieben werden. Werden hingegen fossile Energieträger für Zusatzheizungen eingesetzt, so ist keine Förderung möglich.

Wie wird gefördert?
Gewährt werden nicht rückzahlbare Zuschüsse und die Förderintensitäten sind bei allen Maßnahmen mit bis zu max. 50% zu den förderbaren und anerkennungsfähigen Nettokosten begrenzt:
  • Bei einer vollständigen Umstellung von fossilen Energieträgern bzw. Energieerzeugern (Öl, Gas, Kohle und Allesbrenner) auf Ökoenergie können für Pelletsheizungen bis zu max. € 2.200,- gewährt werden. (Die bisherige Zusatzförderung für die Öltankentsorgung entfällt ersatzlos)
  • Beim Einbau einer Neuanlage in einen Neubau können für Pelletsheizungen bis zu max. € 1.700,- gewährt werden (Eine Neuanlage ist nur dann gegeben, wenn bisher noch keine Biomasseheizanlage bestanden hat)
  • Bei der Erneuerung und Modernisierung einer bereits bestehenden Biomasseheizanlage, die zumindest 15 Jahre alt ist, kann für eine neue Pelletsanlage - als Ersatzinvestition - eine Beihilfe in der Höhe von € 500,- gewährt werden.
Bei gemeinschaftlichen Biomasseheizanlagen und zentralen Heizanlagen bei Mietkauf-Reihenhäusern beträgt die Förderintensität 25% und die Beihilfenobergrenze kann je nach Anzahl der am Projekt beteiligten Wohnobjekte bzw. Förderungswerber angehoben werden.

Gültigkeit der Richtlinie
Für alle Anträge und Investitionen (Rechnungs- und Zahlungsdatum) ab 1. Juli 2010

Förderungsabwicklungsstelle
Die Förderung wird vom Amt der Oberösterreichischen Landesregierung, Abteilung Land- und Forstwirtschaft abgewickelt.
Nähere Informationen>>

Donnerstag, 17. Juni 2010

Pelletproduzenten können ab sofort ENplus-Zertifizierung beantragen

Deutsches Pelletinstitut startet Vergabeprozess für neues Gütezeichen – Ab Juli erste ENplus-Pellets am deutschen Markt erwartet

Ab sofort können Pelletproduzenten in Deutschland für ihre Holzpellets das neue Gütesiegel ENplus beantragen. Das Deutsche Pelletinstitut (DEPI) versendet aktuell die ENplus- Unterlagen an über 70 Pellethersteller. DEPI-Geschäftsführer Martin Bentele rechnet mit einer starken Nachfrage: „Viele Verbraucher fragen bereits heute gezielt nach diesem Qualitätssiegel für Pellets. Mit ENplus bricht für die Pelletzertifizierung ein neues Zeitalter an. Denn diese Pellets werden dem Verbraucher durch die hohen Produktanforderungen und Einbeziehung des Pellethandels ein bislang nicht gekanntes Maß an Qualitätsgewährleistung bieten.“

Mit dem neuen Gütesiegel ENplus setzt das Deutsche Pelletinstitut die europäische Norm für Holzpellets (prEN 14961-2) um. „Bei einzelnen Kriterien, wie beispielsweise der obligatorischen Bestimmung des Ascheschmelzpunktes, geht ENplus sogar über diese Norm hinaus“, sagte Bentele. Zusätzlich kann sich auch der Pellethandel nach ENplus zertifizieren lassen, wenn er anspruchsvolle Anforderungen bei der Lagerung sowie beim Transport von Pellets erfüllt. Dadurch wird mit ENplus künftig die gesamte Produktions- und Handelskette bis zur Anlieferung beim Verbraucher kontrolliert und ein sehr hohes Maß an sachgemäßem Umgang mit den Holzpresslingen garantiert.
Die Zertifizierung nach ENplus stellt sowohl an den Produzenten als auch an den Händler strenge Anforderungen. Pellethersteller müssen zur Nutzung von ENplus verschiedene Angaben zu ihren Produktionsstätten und dem Herstellungsprozess machen und diese bei Kontrollen nachweisen. Prüfinstitute und eine akkreditierte Zertifizierungsstelle werden die Daten überprüfen. Der Pellethandel kann ENplus beim Verkauf an den Kunden nutzen, sobald ausreichend Pelletproduzenten zertifiziert sind. Auch der Handel wird stichprobenartig kontrolliert.
Das DEPI rechnet ab Juli dieses Jahres mit den ersten ENplus-Pellets in Deutschland. Zu Beginn der Heizsaison sollen diese Pellets bundesweit flächendeckend verfügbar sein. Über den aktuellen Stand an ENplus-zertifizierten Produzenten und Händlern kann sich der Verbraucher im Internet unter http://www.enplus-pellets.de/ einen Überblick verschaffen.

Das neue Gütesiegel ENplus für Holzpellets basiert auf der europäischen Norm für Holzpellets (EN 14961-2), die fertiggestellt ist und im Laufe dieses Jahres veröffentlicht wird. Anders als bei bisherigen Gütesiegeln bezieht ENplus auch den Pellethandel ein. Das Deutsche Pelletinstitut GmbH (DEPI) hat ENplus zusammen mit dem Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) Leipzig und in Kooperation mit dem österreichischen Pelletverband Pro Pellets Austria (PPA) entwickelt. In Europa planen bereits weitere Länder für 2011 die Markteinführung von ENplus. Zur Steuerung der internationalen Vergabe wird sich in nächster Zeit ein European Pellet Council (EPC) bilden. Weitere Informationen unter: http://www.enplus-pellets.de/

Donnerstag, 10. Juni 2010

Größtes Pelletswerk Oberösterreichs eröffnet in Oberweis bei Gmunden

Sieben Millionen Euro Investition / Eines der größten Werke Österreichs

Mattighofen (OTS) - Am 11. Juni eröffnet Hot'ts Holzpellets in
Oberweis bei Gmunden das größte Holzpellets-Werk Oberösterreichs. Das
Investitionsvolumen in die Produktion des ökologischen Heizstoffes
Pellets hat sieben Millionen Euro betragen. In der ersten Ausbaustufe
wird das Werk 35.000 Tonnen Holzpellets pro Jahr erzeugen. Mit dieser
Menge können 6.000 Haushalte in der Region
Oberösterreich/Salzburg/Niederösterreich mit dem regionalen
Brennstoff versorgt werden.

Im Endausbau sollen in Oberweis aus Holzabfällen wie Sägemehl,
Hobelspänen oder Waldrestholz 90.000 Tonnen/Jahr hochwertige
Holpellets erzeugt werden, womit eine Versorgung von 20.000
Haushalten möglich ist. In dieser Ausbaustufe ist Oberweis/Gmunden
eines der größten Pelletswerke Österreichs. Diese Pellets werden mit
Hot'ts eigenen Silo-Lkw's direkt bei den Kunden eingepumpt.

Zurzeit heizen in Österreich etwa 71.000 Haushalte und kleine
Gewerbebetriebe mit dem ökologischen Brennstoff aus heimischen
Wäldern. Der Bedarf liegt bei 590.000 Tonnen pro Jahr, der durch die
Produktion in Österreich (Kapazitäten von über einer Million Tonnen)
ohne Probleme gedeckt werden kann. Die Eröffnung des Werkes in
Oberweis trägt dem Trend zu Holzpellets voll Rechnung. Der
Branchenverband proPellets Austria rechnet mit einem jährlichen
Wachstum von 10.000 Pelletsanlagen bundesweit - das bedeutet 170.000
Pelletsheizanlagen im Jahr 2020.

Im neuen Hot'ts Pelletswerk in Oberweis wird darauf geachtet, dass
nicht nur das Produkt selbst ökologisch ist, sondern dass auch der
Produktionsprozess so Ressourcen schonend wie möglich abläuft: Die
Energie, die für die Trocknung der Rohstoffe benötigt wird, bezieht
das neue Werk aus der Abwärme einer in der Nähe gelegenen
Papierfabrik. Der Rohstoff kommt aus einem benachbarten Sägewerk -
wodurch die Transportwege kurz bleiben.

Für Hot'ts Holzpellets (Glechner GmbH) wird Oberweis bei Gmunden
der dritte Produktionsstandort nach Mattighofen und Pfarrkirchen
(Bayern) sein.

Rückfragehinweis:

Gerhard Glechner
Hot'ts Holzpellets
Glechner GesmbH
Mattseerstraße 10, A-5230 Mattighofen
Tel: 0043(0)7742-2410
http://www.holzpellets.com/